Rückentwicklung

Ich werde den häßlichen Verdacht nicht los, dass Saskia Fähigkeiten verliert.

Sprache zum Beispiel – das klappte mal besser, sie war mal gesprächiger. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten, natürlich, aber …

Motorik: mir fällt häufig auf, dass Saskia ihre Trinkflasche nicht mehr zwischen den Handflächen hält, sondern irgendwie zwischen die verkrümmten Hände presst. Nicht immer, aber oft genug.

Laufen ist ein ganz eigenes Thema. Inzwischen bin ich wieder an einem Punkt, wo ich sagen würde: Sie kann gar nicht laufen. Sie torkelt ab und zu mal ein paar Schritte frei durch den Raum, aber kontrolliert ist das nicht. Und „längere“ Strecken (so ab 10 Metern aufwärts) gehen sowieso nur mit Unterstützung. Dabei hängt sie dann oft an den sie haltenden Armen, und zieht die Beine mehr nach, als sie selber zu setzen. Die Füße sind dabei gern auch mal ähnlich verkrümmt wie manchmal die Hände – von einem ordentlichen Aufsetzen der Fußsohlen weit entfernt.
Das macht es sehr schwierig, mit ihr irgendwo hinzukommen – man kann sie nicht immer und überall in ihren Wagen setzen, aber schon 100 Meter können eine ernsthafte Herausforderung werden.

Körperhaltung – ich weiß nicht, ob ich mir das nur einrede, oder ob es wirklich mehr und häufiger ist als früher: Selbst wenn Saskia eigentlich relativ gut drauf ist – sobald sie in ihrem Stuhl sitzt, ist ein Schalter umgelegt. Da hängen ihr ganzer Körper und ihr Kopf häufig einfach nur herunter. Da ersterer angeschnallt ist (sonst läge sie flach auf dem Tisch), liegt letzterer irgendwo zur Seite oder nach vorne geneigt. Das Geradehalten des Kopfes ist etwas, was ansonsten jeder Mensch die ganze Zeit völlig unbewußt und mühelos tut. Für Saskia scheint das zunehmend eine Herausforderung zu sein. Man glaubt gar nicht, wie schwer so ein kleiner Kopf ist – ich weiß es, seit ich wieder öfter versuche, ihn in irgendeiner Stellung zu halten, die nicht so gruselig aussieht, wie das ein nach vorne auf die Brust hängender Kopf tut …

Kauen – wir haben damit immer mal Probleme, im Augenblick habe ich den Eindruck, sie mahlt nur noch mit Zunge und Gaumen auf dem Essen herum, und schluckt es dann herunter. Selbst Letzteres klappt nicht immer problemlos – für mich sieht es so aus, als ob sie einfach so lange irgendwie mahlt, bis das Essen zufällig den Hals herunter rutscht – das ist dann aber keine bewußte Entscheidung des Schluckens.

Ich habe das Gefühl, sie bewegt sich in die falsche Richtung, entfernt sich immer mehr von jeder „Normalität“. Es ist einfach nur zum Heulen.

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2 Antworten zu Rückentwicklung

  1. Elisabeth schreibt:

    Robert entwickelt sich auch zurück. Er konnte im Kindergarten „Robert“ schreiben oder „Mama“ und noch mehr …. es ist fast weg!
    Er hat gezählt, die Zahlen waren ihm ein Begriff … fast weg!
    Heute bekam er sein Zeugnis. Eine DIN A 4 -Seite vollgeschrieben….Ja, einfach zum Weinen …..
    Elisabeth

  2. Pingback: Jein | Besser so als anders

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