Gottesdienst

Zweimal im Jahr gestaltet Saskias Kindergartengruppe in Zusammenarbeit mit der örtlichen Kirche einen Gottesdienst. Es gibt immer irgend ein Thema, mit dem sich die Gruppe in den Wochen vorher auf verschiedene Weisen beschäftigt, und die Ergebnisse werden dann zu einem reguläre Gottesdienst „verarbeitet“.

Heute war wieder ein solcher Tag. Die beste aller Ehefrauen fragte mich gestern abend noch, ob wir denn heute da hingingen – und meine Antwort war „Eher nicht – meine Toleranz gegenüber der Kirche ist im Augenblick nicht besonders ausgeprägt.“. Ich gebe zu, ein wenig tut mir das schon leid für die Gruppe, die sich ja doch immer sehr viel Mühe mit dem Ganzen gibt, aber …

Heute morgen dann war Saskia kurz vor 9 wach, und die beste aller Ehefrauen, die sich die halbe Nacht die Lunge aus dem Leib gehustet hatte, schlief noch. Sie schlief auch noch, als ich mit Saskia zwei Bücher gelesen hatte – woraufhin ich beschloß, sie weiter schlafen zu lassen, Saskia fix anzuziehen, und mir ihr in die Kirche zu gehen 🙂

Wir schafften es auch in der Tat, kurz vor 10 anzukommen – perfektes Timing. Auf meine Frage hin, wo wir sitzen wollten, zeigte Saskia irgendwo in die hinterste Reihe – braves Kind! Ganz vorn, der Gemeinde zugewandt, saß Saskias Gruppe, zusammen mit den Erzieherinnen (aus allen Gruppen) und ein paar Geschwisterkindern.

Kaum hatten wir zwei oder drei Minuten gesessen, kam die Kindergartenleiterin zu uns hinter und fragte mich und den Papa eines anderen neben uns sitzenden Kindes aus Saskias Gruppe, ob wir denn nicht lieber nach vorne … seufz Okay, sind wir dann doch ganz nach vorne. Was mich erst mal dazu brachte zu überlegen, ob ich denn für die Kirche richtig gekleidet sei – immerhin konnte mich plötzlich jeder sehen, und ich hatte einfach nur spontan einen knallgelben Pullover … andererseits, selbst wenn nicht: Auch egal 🙂

Und dann wurde also gesungen und gepredigt und gesungen und erzählt und gesungen und gebetet und gesungen und gepredigt und gebetet und … das Übliche halt :). Vermute ich wenigstens, ich sehe Kirchen eher selten von innen, und noch viel seltener während eines Gottesdienstes.

Die Kinder hatten ein paar Auftritte zum Illustrieren der erzählten Geschichte – es ging um den Werdegang Josephs, nachzulesen, wenn ich mich recht erinnere, ab Genesis 40, oder so – da machte Saskia allerdings nicht mit. Ich denke, sie war auch nicht eingeplant, wenn sie es gewesen wäre, hätte es auch nicht geklappt, dazu war sie zu schlapp. Dafür schäkerte sie wiederholt mit N., der neuen Erzieherin aus ihrer Gruppe. Und wenn sie mit diesem süßen Grinsen und dem schüchternen Hinter-mir-Verstecken nicht mindestens die Hälfte der Leute im Saal für sich eingenommen hat, dann weiß ich auch nicht …

Als die Gemeinde Teelichter an der Osterkerze anzünden und auf den Kerzenbaum stellen durfte, habe ich mit Saskia eine Kerze für ihre Oma angezündet – nicht, dass ich glaube, dass es hilft (obwohl …), aber mir bricht von dieser Geste nichts ab, und schaden tut es auch nicht. Und Saskia hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, und letztendlich ist es immer auch das, was zählt.

Das Singen der Lieder – naja, ich habe mitgemacht. Bei den Texten kann ich mich immer des Eindruckes nicht erwehren, dass in dem permanenten „Gott passt auf uns auf und will unser Bestes“ (ja, ich simplifiziere ein wenig) ein gerüttelt Maß … Naivität mitschwingt. Sei es.

Das Gemeinschaftserlebnis, das Zusammensein der Menschen, das ist eine Sache, die ich auch heute wieder erlebt habe, und um die ich gläubige Menschen manchmal ein klein wenig beneide. (Und natürlich um den Glauben, dass jemand mit Allmacht existiert, der es gut mit einem selbst meint. Doch, ehrlich – in der Theorie ist das eine schöne Sache. Es macht das Leben einfacher, denke ich. Es ist nur leider eine aus meiner Sicht unsinnige Theorie, vorsichtig formuliert – ‚tschuldigung.)

Und da die Zeiten, in denen man mit dem Schwert durch die Gegend lief, um Andersgläubige von der vorgeblichen Falschheit ihrer Ansicht zu überzeugen, zum Glück im Wesentlichen vorbei sind, und der durchschnittliche Christ (wenn ich das mal so sagen darf), so, wie ich ihn kennengelernt habe, auch kein (g)eifernder Bekehrer mehr ist … da fällt es mir letztendlich meist doch recht leicht, Christen mit einem „Leben und leben lassen“ gegenüber zu treten. Wenn sie meinen Glauben akzeptieren (und ich glaube nicht nur nicht, dass Gott existiert, sondern ich glaube, dass Gott nicht existiert – aber beweisen, mit einer streng wissenschaftlichen Beweisführung, kann ich das auch nicht), kann ich auch ihren akzeptieren. Jedem Tierchen sein Pläsierchen …

Zurück zum Gottesdienst. Obwohl, damit bin ich dann auch schon durch … gab leider kein Frühstück danach :), was in gewisser Weise aber auch gut war – die beste aller Ehefrauen war mit dem Vorbereiten unseres gemeinsamen Frühstückes auch fast fertig, als wir wieder zu Hause ankamen – auch das perfektes Timing …

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3 Antworten zu Gottesdienst

  1. Elisabeth schreibt:

    Ich lass jetzt einfach Grüsse hier … o.k.?
    Weisst Du, ich bin ja auch keine Kirchengängerin … und die Amtskirche, oh weh! ….
    und doch glaub ich an das, die, was da oben … Ja, einfach so. Das sich das was wir die Schöpfung nennen einfach von ganz allein entwickelt hat kann ich mir nicht vorstellen, es muss was Grösseres da sein …
    Das Personal hier unten, tja, das ärgert mich. Sehr sogar, oft sogar! Ich hab mal in einem kath.Kindergarten gearbeitet. Geschieden, dann zwei „uneheliche“ Kinder war egal… doch dann haben wir geheiratet! Nicht mehr nur geschieden, zwei eheliche Kinder…. und schwupps….war ich meine geliebt Arbeit los! Denn DAS geht gar nicht, und die ARGE sagte, nöööö, da kann man nichts machen. Gegen die Kath.Kirche kommen wir nicht an. Das sind die Arbeitsbedingungen dort. Geschieden und wieder heiraten ist VERBOTEN dort… ich darf auch nimmer zur Kommunion gehen…
    (aber mein Kind darf ministrieren … fast jeden Sonntag, heute schon um 8 Uhr!
    Also, wenn ich den Chef ganz oben wirklich mal treffe, und das wünsch ich mir …. dann hab ich einige Beschwerden über sein Personal hier unten….und wenn er mich da oben nicht mag, weil … wiederverheiratet, tja, dann weiss ich nicht was ich dann tu. Hoffentlich passiert dann nix!!!!! Aber da ich mich ja mit ihm eigentlich gut fühle, hoffe ich doch sehr, dass ich ihn treffe … irgendwann! Und das er mich mag….
    Schlaf gut
    Elilsabeth
    Mei, oh mei! Für das, dass ich nur Grüsse dalassen wollte….war des ganz schön viel!

  2. Ute schreibt:

    *G* Nach wissenschaftlichen Standards liegt die Beweislast bei den Gläubigen. Die aber verwechseln Prämisse und Conclusio bzw. setzen sie gleich. Von daher…

    Ich teile Deine Einstellung zum Glauben. Ich nehme Gläubige in ihrem Glauben ernst, wie ich den Glauben meiner Kinder an ihre unsichtbaren Freunde ernst genommen habe. (Für mich ist das nichts anderes. Selbes Symtom/Syndrom, selbe Funktion.) Ich habe mich nicht darüber lustig gemacht, im Rahmen „mitgespielt“, mich aber auch nicht tyrannisieren oder für dumm verkaufen lassen. („Der XYZ muß auch einen vollen Teller kriegen!“ / „Das war ich nicht, das war der XYZ!“)

  3. Ute schreibt:

    *“p“ hinterherschmeiß* => Symptom

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