Armleuchter

„Tu‘ Gutes, und rede darüber.“ Dieser Spruch scheint sich im Augenblick insbesondere im Zusammenhang mit den Ereignissen in Japan großer Beliebtheit zu erfreuen. Schon die Aktion der Schweizer Schokoladenfirma letztens fällt, je länger man darüber nachdenkt, in diese Kategorie. Und die Firma ist damit nicht allein.

Eine Einkaufspassage in der großen Stadt wirbt zur Zeit damit, dass man auf Facebook ihr Freund werden solle (allein schon diese absurde Konstruktion!), und für jeden „Freund“ würden alle Geschäfte zusammen einen Euro spenden. Das Ziel dabei seien 10.000 €, verrät uns die Werbung auch noch.

Während ich versuche, das Bild der Passage vor mein inneres Auge zu bekommen, um die Zahl der Geschäfte zu schätzen, verrät mir eine nicht weit entfernt geschaltete (nicht saisonale) Anzeige der exakt selben Einkaufspassage, dass diese Zahl 120 beträgt.

Das macht also bei dieser ganzen Aktion ungefähr 83 €. Pro Geschäft. Da wir hier von einem recht noblen Umfeld reden, gehe ich fest davon aus, dass man das dort aus der Portokasse bezahlt. Ach was, das fällt ab, wenn man einfach irgendwo einen kleinen Rundungsfehler macht. Und von der Steuer absetzbar ist es bestimmt auch.

Womit die ganze Aktion eindeutig unter Verar…lberung der Leute fällt. Laßt uns uns ein hübsches soziales Mäntelchen umhängen, und es jedem erzählen!

Es wäre mir weit lieber, jedes dieser Geschäfte spendete 1.000 €, und ich würde nie davon erfahren.

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7 Antworten zu Armleuchter

  1. Ute schreibt:

    Naja, das kann man auch umgekehrt sehen. Lieber ein kleinerer Betrag mit Brimborium als gar nix. 😉 Wer sagt, daß eine Spende dadurch weniger wert wird, weil auch der Spendende davon was hat? (Was auch immer es sei.) Ansonsten wäre es ja auch verwerflich, Spenden von der Steuer abzusetzen.

    • Ich weiß nicht – das Leid in Japan (oder wo auch sonst) für die Steigerung der eigenen Popularität zu nutzen – für mich ist da zuviel Geschmäckle dran. Das sollte irgendwie ernster gemeint sein, finde ich …

      • Ach so, und der Unterschied zu der Steuerabsetzbarkeit: Da geht es darum, einen Teil seiner Spende erstattet zu bekommen. Bei der Aktion, um die es hier geht, war garantiert das Schalten der entsprechenden Anzeigen teurer als die 10.000 €, die dann gespendet werden. Und der Popularitätsgewinn (vielleicht, und sicher erhofft von den Organisatoren) größer, als wenn man das ganze Geld in „Standard“-Werbung investiert hätte. Insofern, behaupte ich, wird hier Japan einfach zum Anlaß genommen, das Preis-Leistungs-Verhältnis der eigenen Werbung zu optimieren. Und das nenne ich dann zynisch.
        Viele Grüße
        ‚Locke‘

  2. Ute schreibt:

    Ich glaube, den Japanern ist das im Zweifelsfall aber egal. Dieses „Spende gefälligst im Stillen oder gar nicht!“ hat für mich immer was Calvinistisch-Puritanisches. Ich kann mich nicht so recht damit anfreunden, daraus eine Forderung zu machen. Dann kommt noch weniger Kohle zusammen.

  3. Ute schreibt:

    Es mag nicht ganz ehrlich sein, aber es ist spendentechnisch immer noch effizienter als völlig ehrliches Garnichtspenden – was vermutlich bei diesen Geschäften die Alternative gewesen wäre. 😉

  4. mutterchaos schreibt:

    Ich habe mich bei der Aktion beteiligt. Getan habe ich das, weil ich denke, mir schadet es nicht, aber vielleicht hilft es anderen.
    Allerdings stimme ich dir vollkommen zu, der Aufwand und die investierte Energie… es wäre weit effektiver gewesen, wenn jeder der Nobelläden einfach eine Summe gespendet hätte, wegen meiner auch mit Anwesenheit diverser TV und Radio-Sender, dann wäre die Werbung sogar kostenlos gewesen.

    Allerdings denke ich mir das auch immer wieder, wenn irgendwelche Superstars eine Summe X durch dubiose Aktionen oder gar Auktionen „reinholen“ wollen, oder wenn sie mit wer weiß welch riesigem Aufwand 1000US$ zusammensammeln. Denen täte es nichtmal in der Portokasse weh, wenn sie einfach mal so weit größere Summen spenden würden, aber okay, dann geht ja die Werbung flöten…

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