Frei

Wenn man am Wochenende aus der Presse erfährt, dass das Produkt, an dem man arbeitet, eingestellt wird – dann könnte es sein, dass man in einer amerikanischen Firma arbeitet, bei der diese Art der Mitarbeiter-Kommunikation offensichtlich zum guten Stil gehört.

Wenn sich dann an dem Montag nach dieser Erfahrung die Anzeichen verdichten, dass es nicht nur um das Produkt, sondern um die ganze Abteilung geht, man also sehr wahrscheinlich bald keinen Job mehr haben wird – dann ergibt das eine sehr … eigene Atmosphäre auf den Gängen.

Ich ertappe mich dabei, Pläne zu schmieden für die viele freie Zeit, die ich demnächst haben werde.

Interessanterweise fehlt das Bedauern. Ich habe diesem Produkt mehr als 12 Jahre meines beruflichen Lebens gewidmet, und sehr viel Herzblut. Aber die Firma hat sich im letzten Jahr so viel Mühe gegeben, uns den Eindruck zu vermitteln, dass weder wir als Mitarbeiter, noch unsere Arbeit und unser Produkt irgendwie geschätzt werden – dieses Herzblut ist schon so viele kleine Tode gestorben, dass der absehbare große Tod (im Moment) gar nicht schmerzt.

Im Augenblick ist noch nichts klar, es gibt nur Gerüchte. Aber die Chancen sind groß, dass ich in nicht allzu ferner Zukunft auf Arbeitssuche bin. Was spannend werden wird.

Ich kann mir momentan sehr gut vorstellen, es langsam angehen zu lassen. Ich würde es genießen, mal keinen so straffen Tagesablauf zu haben (Saskia in den Kindergarten, 1 Stunde Arbeitsweg, 7 Stunden Arbeit, 1 Stunde Heimweg, um Saskia kümmern bis zum Ins-Bett-Bringen, dann die meist noch fehlende Arbeitszeit nachholen). So ein bis zwei Monate würde ich das problemlos durchhalten :), bevor mir die Decke auf Kopf fiele.

Interessante Zeiten liegen vor mir, ohne Zweifel.

Ach ja: Der Passwortschutz von diesem Artikel ist damit dann auch hinfällig.

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20 Antworten zu Frei

  1. Ute schreibt:

    Der Nachname Eures Vorstandsvorsitzenden ist nicht zufällig auch eine Berufsbezeichnung?

    • Nein, eigentlich nicht. Unser Vorstandsvorsitzender ist ein Fan von Segelyachten. Je größer, um so besser …
      Viele Grüße
      ‚Locke‘

      • Ah! Der Vorgänger des Mannes, den Du meinst – der arbeitet jetzt ganz weit oben bei uns. Peinlicherweise. Auch wenn es, bei Licht betrachtet, paßt wie Arsch auf Eimer.

        Aber dass Dich die vagen Innenansichten aus meiner Firma an diese andere Firma erinnern – das glaube ich unbesehen (beziehungsweise unerlebt) 🙂

        Viele Grüße
        ‚Locke‘

        • Ute schreibt:

          Au Backe… Wenn er den selben Stil bei Euch durchzieht wie in seinem alten Laden, dann haben Deine Kollegen noch lustige Zeiten vor sich. Bei uns sind so viele geflüchtet, daß z.B. unsere SAP-Abteilung sich sogar mitten im Einstellungsstop neue Leute suchen mußte. Da das EDI-Team, in dem ich arbeite, auf die SAPler dringend angewiesen ist, kannst Du Dir garantiert gut vorstellen, was hier zeitweilig los war.

        • Graugrüngelb schreibt:

          Ich glaube, der „freundliche“ Umgang mit Mitarbeitern ist in Firmen dieser Größenordnung irgendwie üblich. (Und die, die sich nicht so verhalten, werden eben irgendwann von den anderen gefressen.)

  2. Sommersprosse schreibt:

    Ich habe schon Angst um Dich und Deinen Gemütszustand !

    (Kannst es ohne schlechtes Gewissen löschen)

    Einen festen Drücker

    • Angst? Warum? Wie gesagt, im Augenblick denke ich, es wird interessant, und ich kann mir vorstellen, auf diese Weise zumindest eine kurze Auszeit zu nehmen. Das wäre sicher nicht die allerschlechteste Alternative.

      Das mag sich irgendwann ändern – vielleicht, wenn ich feststelle, dass mich niemand will. Aber meistens bin ich arrogantselbstbewußt genug anzunehmen, dass ich gut bin in meinem Job, und deswegen etwas finden werde. Ich muß ja nicht jedem potentiellen Arbeitgeber sofort erzählen, dass ich manchmal die eine oder andere Depression habe, und wegen der Krankheit meines Kindes öfter mal ausfalle. Insbesondere Letzteres merken die schon früh genug …

      Viele Grüße
      ‚Locke‘

      • Ute schreibt:

        Hier werden inzwischen wieder Leute aktiv gesucht. Kein Wunder, nach dem Exodus unter Mr. H.
        Wir bekommen inzwischen sogar Mails vom Management, die wir an Freunde und Familie weiterleiten sollen. Und es weht definitiv langsam ein anderer Wind hier. Nur mal so als Hinweis. 😉

        • Graugrüngelb schreibt:

          Nach dem wenigen, was ich (aus deinem Blog und von meiner Arbeit, die ganz am Rande eben auch mit „euch“ zu tun hat) über die Firma weiß, in der du arbeitest, würde ich sagen: Das wird auch Zeit mit dem anderen Wind. Und das mit deinen Arbeitszeiten klingt auch nicht schlecht.

        • Morgen haben wir Besuch von einer Dame von HR, ich denke, da werde ich mehr über meine Zukunft erfahren. Ich arbeite seit fast 13 Jahre hier, das allein heißt, dass ich eine ziemlich lange Kündigungsfrist habe. Wegen anderer Randbedingungen beginnt die eh‘ nicht vor dem 1. Juli. Ich denke also, dass ich bis Ende des Jahres zumindest nominell noch in Lohn und Brot stehe (falls ich mich bei diesen Berechnungen nicht irre). Sie dürfen sich aber natürlich gern mit einer unsachlich hohen Abfindung aus dieser Verpflichtung herauskaufen 🙂

          Ich werde also erst mal den Ball flach halten, und dann in aller Ruhe überlegen, wie ich mir mein weiteres Arbeitsleben so vorstelle.

          Aber ich werde Deinen Hinweise im Hinterkopf behalten :). Obwohl ich bei einer Firma dieser Größe zweimal überlegen werde, ob ich mir das nochmal antun möchte.

          Da hängt auch viel von der Firmenphilosophie ab. Hier geht es immmer nur um Geld Geld Geld, und darum, immer und überall der Beste zu sein – etwas anderes ist nicht akzeptabel. Und das ist eine Einstellung, mit der ich persönlich so überhaupt nichts anfangen kann.

          Viele Grüße
          ‚Locke‘

          • Ute schreibt:

            Geht mir ähnlich; ich bin jetzt seit 17 Jahren dabei. Bisher wurde unser Bereich jedoch von Kündigungsambitionen verschont.

            Zum Thema Abfindung schreibt unser BR übrigens: „Auch die Versteuerung der Abfindungssumme sollte vorab betrachtet werden. Die Wahl des Auszahlungszeitpunkts kann von erheblichem steuerlichem Vorteil sein. Steuerlich günstig ist eine Auszahlung zum Anfang eines Jahres nach dem 15. Januar. Je geringer der sonstige Verdienst in dem Jahr der Auszahlung einer Abfindung ist, desto weniger Steuern fallen an. Allerdings muss die Zahlung einer Abfindung im zeitlichen Zusammenhang mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, Ausscheiden aus dem Betrieb, liegen. Die meisten Finanzämter erkennen eine Zeitspanne von maximal 3 Monaten an.

            Steuerliche Entlastungen können durch die Abschlüsse einer Riester-Rente, Direktversicherung oder sonstiger anerkannter Vorsorgeaufwendungen entstehen. Man kann mit dem Arbeitgeber vereinbaren, hierzu Verträge abzuschließen und Teile der Abfindung in diese Verträge fließen zu lassen. „

  3. Ute schreibt:

    PS: Flexiblere Arbeitszeiten als hier habe ich noch nirgendwo erlebt. Ich mache täglich einen Teil meiner Arbeit im Home Office, weil der Kindergarten nur bis 14:00 h geöffnet hat. Manche Kollegen kommen tage- oder wochenlang nicht ins Büro und machen alles von zu Hause aus. Juckt keinen Menschen. Andere kommen morgens nach 10:00 und bleiben eben abends länger. Ich selbst habe vor der Trennung zeitweise auch schon morgens vor 6:00 angefangen – ist völlig schietegal, solange die Arbeit gemacht wird.

    • Ja, so ähnlich ist das hier auch. Die Zeit am Tag, zu der man arbeitet, ist völlig egal. Es gibt Leute, die sind von 12 bis 9 im Büro. Home Office ist nicht ganz so freizügig, aber immer noch freizügig genug, dass ich mir die zwei Stunden Fahrt zwei- bis dreimal die Woche sparen kann. Da ich aber ein großer Fan davon bin, bei bestimmten Problemen auch direkt mit den Leuten reden zu können, oder auch mal ein Bild ans Whiteboard malen zu können, was einige Stunden Reden ersparen kann, ist das vollkommen okay.
      Viele Grüße
      ‚Locke‘

  4. Graugrüngelb schreibt:

    Das mit dem fehlenden Bedauern wundert mich nicht – immerhin arbeiten ein paar Leute ja seit Monaten kräftig daran, dir den Spaß an der Arbeit zu nehmen. Ich denke, vor einem Jahr hättest du das noch ganz anders gesehen.

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