Weinkrämpfe

Seit einiger Zeit hat Saskia eine neue anstrengende Angewohnheit, von der ich gar nicht so richtig weiß, wie man das kurz und knackig beschreibt. Eigentlich sind es eher zwei verschiedene, aber ähnliche Effekte.

Zum einen ist die Zeit zwischen „Ich möchte etwas, was ich gerade nicht habe“ und „Ich will weinend und jammernd in meinen Stuhl.“ sehr sehr sehr kurz geworden. Nicht mehr vorhanden, eigentlich. Das gilt nicht pauschal für jede Gelegenheit, bei der sie ihren Willen nicht bekommt, aber ein recht häufiger Anlaß ist, dass ihr einfällt, dass sie etwas trinken möchte. Von „Tijne!“ zu „<Jammern>“ vergeht ca. eine Zehntelsekunde. Und da ist sie dann auch kaum wieder herauszuholen, sie muß auf jeden Fall in ihren Stuhl gesetzt werden, wo sie sich wieder halbwegs beruhigt. Alle Versuche, ihr zu erklären, dass sie nicht sofort losweinen muß, sondern einfach sagen kann, was sie möchte, sind völlig zum Scheitern verurteilt.

Die zweite Ausprägung: Früher konnte ich Saskia, wenn wir am Wochenende ins Wohnzimmer kamen, und ich das Frühstück zubereiten wollte, währenddessen problemlos zum Spielen animieren. Im Zweifelsfall, wenn es ihr zu schlecht ging, habe ich sie auf den Fußboden gelegt, so dass sie mich sehen konnte, wie ich in der Küche arbeitete.

Seit zwei/drei Wochen reicht allein die Aussage, dass sie noch ein wenig spielen könne, während ich mich um das Frühstück kümmere, damit sie anfängt, untröstlich zu weinen. Auch das kann durch alles Zureden nicht beendet werden, sondern nur dadurch, dass sie in ihren Stuhl gesetzt wird – wo sie dann den Rest der Zeit verbringt, und deutlich weniger Spaß hat, als sie beim Spielen hätte haben können.

Gestern reichte es allein, das „Saskia, ich …“ auszusprechen, um sie in den Abgrund zu reißen – da wußte sie schon nach dem ersten Wort (ach was, nachdem ich das erst gedacht hatte!), was kommen würde.

Irgendwie weiß ich so gar nicht, was ich davon halten soll. Aber ich fänd’s schön, wenn wir ihr (oder sie sich) das wieder abgewöhnen könnte(n) …

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5 Antworten zu Weinkrämpfe

  1. Sommersprosse schreibt:

    Das zehrt aber sehr an der Substanz, stelle ich mir ziemlich schlimm vor.
    Ich weiß nicht genau, wie das Ganze abläuft. Wenn Ihr erst einen Moment zusammen spielt und Du dann versuchst zu gehen, ist es genauso schlimm? Aber hast Du sicher schon probiert.
    Ich weiß leider auch keinen Rat. Kann es mit den Medikamenten zusammenhängen, gibt es eine Umstellung? Sie hatte doch schon manchmal so „quakige“ Zeiten.

    Wünsche Euch starke Nerven!!!

    liebe Grüße
    Mutti

  2. Ute schreibt:

    Einfach mal gepflegt ignorieren? Mein Sohn hatte solche Anwandlungen vor einem halben Jahr mal für ’ne Weile, wann immer irgendwas nicht nach seinem Willen ging. Ob nun sein Lieblingssaft nicht vorrätig war oder er das Anschnallen im Auto nicht auf Anhieb hinbekam – es wurde direkt zum Steinerweichen geheult. Irgendwann wurde es mir zu bunt. Ich ging einfach, verließ auch das Auto, bis er sich wieder eingekriegt hatte. Kommentar: „Ich komme wieder, wenn Du wieder vernünftig mit mir reden kannst.“ Inzwischen weiß er: Wenn er etwas bzw. Hilfe will, muß er vernünftig mit mir reden, weil ich mir Anheulen und Anschreien nicht gefallen lasse. Mache ich mit ihm ja auch nicht. Inzwischen hat er das verstanden und Geheule gibt’s nur noch bei „großen Dingen“. Aber solange es einem das verschafft, was man haben will, plus Tüddel und Knuddel obendrein, wird natürlich munter so weitergemacht – die Lütten sind ja nicht doof. 😉

    • Ich kann es im Augenblick noch schwer einschätzen, ob das wirklich nur eine Anwandlung von Saskia ist. Sie hat durchaus solche Anwandlungen, und die fühlen sich einfach anders an. Ich kann das, wie gesagt, schwer beschreiben, und bekomme das Phänomen zur Zeit noch nicht richtig zu fassen.

      Und ja, in der Theorie kenne ich den Ansatz „Einfach mal geflegt ignorieren“. In der Praxis kann ich ihn seltener umsetzen, als es nötig wäre (Du weißt schon: Behinderten-Bonus, und so). Ich weiß halt nur noch nicht, ob dieser Ansatz hier angebracht wäre.

      Viele Grüße
      ‚Locke‘

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