Bewegungs(un)freiheit

Saskias Reha-Buggy „passt“ ihr nicht mehr wirklich – für ihre langen Beine ist die Fußstütze eigentlich zu weit oben. Die Konsequenz ist, dass ihre Füße nicht aufsitzen, sondern einfach herunter hängen, was wiederum dazu führt, dass sie manchmal fast aus dem Wagen heraus rutscht. Nach unten verstellen läßt sich die Fußstütze allerdings nicht mehr, da ist das Ende der Fahnenstange erreicht.

Es gäbe also einen guten Grund, über einen neuen fahrbaren Untersatz nachzudenken.

Irgendwie glaube ich, wir sollten dabei ernsthaft einen Rollstuhl in Erwägung ziehen, den man dann auch im Innern verwenden kann. Das Laufen klappt nach wie vor überhaupt nicht, Tragen kann man sie auch nicht dauernd, selbst beim Krabbeln steigt ihre Fehlerquote (heißt: Sie fällt oft um – mit Glück auf den Helm, mit Pech auf die Nase).

Ich mag die Vorstellung nicht, Saskia irgendwann im Rollstuhl durchs Leben zu schieben. Das würde sie noch mehr einschränken, und ich bin doch froh über jedes Stückchen eigene (gar ununterstützte) Bewegung, das sie vollbringt. Bewegung ist Leben. Säße Saskia im Rollstuhl, wäre sie in meiner Vorstellung irgendwie wieder ein weiteres Stückchen weg vom Leben.

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9 Antworten zu Bewegungs(un)freiheit

  1. Conny schreibt:

    Hallo,
    Ich möchte dir zum Thema Rollstuhl unbedingt eines zu bedenken geben: Wenn ihr einen Aktiv-Rollstuhl nehmt, wird Saskia ihn selber dorthin bewegen können wo sie hinwill, damit kann sie sich dann sogar in sehr schlechten Phasen selber bewegen, was ihr eine deutlich grössere Unabhängigkeit von ihren schlechten Phasen geben wird!
    Zweiter Positiver Punkt ist, daß sich ein Rollstuhl für euch als Eltern sehr viel leichter schieben lässt.
    Sind wir als Familie mit Aenne und Henry unterwegs ist der der Aenne schiebt immer ganz entspannt, wobei der der henry schiebt schon nach kurzer Zeit ächzt und stöhnt ;).
    Einziger Punkt der gegen einen Rolli sprechen könnte: Wenn Saskia oft Phasen hat in denen sie sehr schlecht sitzen kann (also eher hängt, hatten wir mit Aenne auch schon ), dann kann der Rolli die falsche Lösung sein, da er dann die Unterstützung nicht bietet die Saskia braucht!
    Das Gefühl das der Rolli mit sich bringt so von wegen nun ist es amtlich, das Kind ist behindert, hat sich bei uns in einen positiven Punkt umgewandelt: Es sieht jetzt jeder auf den ersten Blick, die Leute müssen nicht erst Minutenlang gucken warum sich das Kind so komisch verhält, dadurch ist für mich vieles eher leichter geworden!
    Ich würde im Sanihaus nachfragen und beides echt mal ausprobieren, die haben da ja meist vorführgeräte, wir durften die Karre sogar 2 wochen behalten, da eröffnen sich dann die wahren stärken oder schwächen der einzelnen alternativen.
    Eine gute entscheidung für euch!
    Und Frohe Ostern für eure Familie!
    LG
    Conny

  2. Ute schreibt:

    Da kann ich mich Conny nur anschließen. Ich hatte mal einen Freund im Rollstuhl. In ’nem Buggy hätte der sicherlich kein Basketball spielen können. 😉

    Mit Buggy ist Saskia doch nur noch weniger selbständig. Ich vermute, hinter Deiner Ablehnung eines Rollstuhls steckt eher der Wunsch, zumindest optisch „Normalität“ zu wahren. Verständlich, aber m.E. als Entscheidungsgrundlage ungeeignet. Technisch betrachet besteht doch der Unterschied zum Buggy gerade darin, daß der Insasse einen Rollstuhl eben auch selbst fortbewegen kann. Und immerhin kann Eure Tochter den Rollstuhl immer noch beliebig verlassen, wenn sie fit genug ist. Sie wird ja nicht an dem Ding festgenagelt, gell? 😉

    (Übrigens gibt’s auch Rollstühle, die den Oberkörper gut abstützen können. Ich erinnere nur mal an Stephen Hawking.)

    • Die „optische Normalität“ haben wir mit Saskia schon jetzt nicht mehr wirklich. Ein 1,10 Meter großes Kind, das schlaff im zu kleinen Buggy hängt, an dem wiederum ein komischer Helm baumelt … nein, ich denke, es ist auch jetzt schon offensichtlich, dass Saskia anders ist als andere Kinder. Schon deshalb kann ich Deine Vermutung guten Gewissens abstreiten 🙂

      Im Prinzip wäre mir der Rollstuhl aus dem von Conny genannten Grund sogar recht: Das würde es endgültig deutlich machen, und erst mal keine diesbezüglichen Fragen mehr offen lassen. Das stelle ich mir in gewisser Weise sogar entspannter vor als die aktuelle Situation. Ich müßte zum mir zum Beispiel seltener eine möglichst höfliche Erwiderung auf Bemerkungen der Art „Ach, da ist aber jemand müde!“ ausdenken, wenn Saskia mal wieder apathisch ist.

      Das mit dem Festnageln ist eine gute Idee, lass mich das mal in Ruhe überlegen … *eg*

      Ich kann das auch nur schwer begründen, dazu habe ich noch nicht tief genug drüber nachgedacht. Mein Bauchgefühl im Augenblick ist halt: Im Rollstuhl ist sie noch unflexibler. Vielleicht tendiert man (wenn nicht „man“, dann vielleicht zum Beispiel die Erzieher im Kindergarten) dann öfter dazu, sie einfach nur im Rollstuhl in eine Ecke zu schieben, wo man sie heute noch auf den Fußboden setzen würde, zwischen ein paar Spielsachen, mit denen sie sich beschäftigen könnte. Irgendwie so.

      Viele Grüße
      ‚Locke‘

      • Ute schreibt:

        Nun ja, wenn ich meine fast gleichaltrige Tochter mal zum Vergleich heranziehe, dann dürfte auch Eure inzwischen so ca. 20 Kilo wiegen. Und das wird ja nicht weniger. Irgendwann ist da auch beim Herumhieven durch die Erzieher und später durch die Lehrer Ende der Fahnenstange, wage ich zu behaupten. Ich jedenfalls könnte meine Tochter nicht mehr ständig vom Boden aufheben und irgendwo reinsetzen und von dort aus wieder auf den Boden verfrachten. Jedenfalls nicht ohne Hilfsmittel. Und wie gesagt: Saskia selber kann mit einem Rollstuhl doch selbstbestimmter und schneller von A nach B. Meinst Du nicht, daß das ein wichtigerer Faktor ist?

        • 22,9, Stand heute morgen 🙂

          Es ist ja nicht so, dass ich die Vorteile nicht sehe oder nicht zu schätzen weiß – das kam vielleicht nicht deutlich genug herüber. Gerade die Tatsache, dass das mit dem Tragen nicht ewig funktioniert, ist mir (und meinem Rücken) sehr bewußt.

          Im Übrigen schrieb ich schon vor einer ganzen Weile

          Ich rechne schon lange damit, dass wir Saskia irgendwann in einen Rollstuhl verfrachten müssen

          – ich kann also beweisen :), dass mir klar ist, dass wir den Rollstuhl brauchen. Ich hatte halt nur die Hoffnung, es ginge noch eine Weile ohne …

          Viele Grüße
          ‚Locke‘

      • Graugrüngelb schreibt:

        Ich weiß zwar nicht, warum du Saskia kleiner machst, als sie ist, aber dass sie nicht aus reiner Faulheit im Buggy sitzt, sieht inzwischen wahrscheinlich wirklich jeder. Insofern ist ein Rolli da tatschlich kein soo großer Unterschied und selbstbestimmter ist es allemal.

        Meine persönlichen Bedenken sind eher praktischer Natur: Beim Buggy war klar, dass der nur draußen benutzt wurde – beim Rolli ist das ja dann nicht mehr so eindeutig und abgesehen von den breiteren Wegen, die man dann eben auch im Haus benötigt – wie macht man das bei Schmuddelwetter mit den Reifen? (Ich habe wirklich keine Ahnung, aber ich würde beispielsweise nicht mit dem Fahrrad durchs Wohnzimmer fahren wollen.)

  3. Sommersprosse schreibt:

    Ich denke auch, dass es für Saskia und diejenigen die sie betreuen (auch im Kindergarten) einfacher wird, weil sie leichter von A nach B kommen kann. Sicher ist es bei Dir der Gedanke: Nun ist es endgültig.
    Ihr werdet aber trotzden alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen die sich für sie bieten um sie zu fordern und fördern. Da bin ich mir sicher ! Ausprobieren ist hier die Devise.
    Früher oder später ist es sicher auch ein entsprechendes Auto nötig. Das rein- und rausheben ist ja jetzt schon schwierig. Das alles kostet viel Kraft und wird ein Kampf
    mit der Krankenkasse.

    Eine bessere Nacht als die letzte und einen guten neuen Tag
    wünscht Euch
    Mutti

  4. Pingback: Allerlei | Besser so als anders

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