Angenommen

Angenommen, Saskia hätte den einen großen Anfall, aus dem sie nicht zurück kommt.

Nie wieder könnte ich sie in den Arm nehmen.

Nie wieder könnte ich sie trösten.

Nie wieder würde sie sich an mich kuscheln, und ihre kleinen Arme um meinen Hals legen.

Nie wieder würde sie mich in eine Badewanne verhexen, und sich kaputt lachen, wenn ich sie in etwas anderes, möglichst Absurdes verhexe.

Nie wieder zöge dieses Grinsen in ihr Gesicht, wenn sie etwas entdeckt hat – einen Strauch mit Ostereiern zum Beispiel.

Nie wieder würde diese kleine Hand einem Vogel oder einer Ameise oder der Porzellan-Ente vor Nachbars Haus winken, auf eine unnachahmlich süße Art und Weise.

Nie wieder sagte sie „Schotos!“, um mir zu erklären, dass sie Chocos zum Frühstück (oder zum Mittag oder zum Abendbrot oder einfach nur so) möchte.

Nie wieder würde sie die Arme über den Kopf strecken (und dabei fast nach hinten umfallen) um mir zu zeigen, dass es viele Chocos sein sollen.

Nie wieder würde sie über das ganze Gesicht grinsen, wenn ich sie abends auf dem Bett umschubse.

Nie wieder würde sie vor Begeisterung kreischen bei so einer absurd unspektakulären Aktion wie dem Werfen eines Balles.

Nie wieder wäre mein Leben wie vorher.

Es wäre mein Untergang.


(Nein, es gibt keinen tieferen Grund für diese Gedanken. Sie kamen mir einfach, als ich im dunklen Schlafzimmer im Bett lag, den Arm über eine gerade gekrampft habende Saskia gelegt. Nichts Ernstes.)

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8 Antworten zu Angenommen

  1. Sommersprosse schreibt:

    Die letzten 2 Sätze sind sicherlich für mich gedacht (bilde ich mir ein) und trotzdem einen Kommentar dazu. Genau diese Gedanken sind es, vor denen i c h Angst habe, da Du jetzt noch viel mehr Zeit hast. Was denkst Du, was mit mir dann wäre?
    Du kannst alles noch intensiver erleben und darüber nachdenken und das ist gar nicht gut für Dich. Ich weiß auch, wenn man ein Tief hat, hat man zu nichts Anderem Lust. Da kann sich irgendwelche Arbeit noch so sehr türmen. Such Dir was, was Dich ablenkt und Deine trüben Gedanken ab und zu vergessen läßt.
    Denke aber auch mal an die beste aller Ehefrauen: Ihr braucht Euch gegenseitig und müßt Euch Kraft und Mut geben!

    Liebe Grüße
    Mutti

    mach mit dem Artikel was Du denkst

    • Hör‘ bitte einfach auf, Dir Sorgen wegen meiner vielen freien Zeit zu machen. Und gesteh‘ mir bitte auch mal zu, ein paar traurige Gedanken zu haben, ohne dass Du gleich Depression oder Schlimmeres dahinter vermutest.

      Im Übrigen verstehe ich diesen Artikel als Liebeserklärung an meine Tochter, ich sehe also das Problem gerade nicht …

      Viele Grüße
      ‚Locke‘

  2. Elisabeth schreibt:

    Hallo Sommersprosse … ich hab das beim Lesen genau andersrum als Du aufgefasst.
    Eine Liebeserklärung an Saskia …. und Locke würde alles geben, dass sie für immer da bleibt.
    Locke, ich war überrascht wie viele so liebenswerte Momente Dir eingefallen sind.
    Sie braucht Dich, Deine Kleine. Sie braucht Dich, Deine beste Ehefrau. Ja, auch die Oma braucht Ihr und die Oma Euch.
    Ich weiss gar nicht, wie ich all die Gedanken schreiben soll, die mir durch den Kopf gehen. Ich wünsche Euch, dass der Weg weitergeht. Dass Du nicht ganz tief fällst, und wenn doch …. dann bitte lass Dich rausziehen von allen die Dir helfen wollen.
    Ich denk zur Zeit auch ständig an den einen letzten Anfall….und dann zwinge ich mich was anders zu denken, denn das ist so Angst machend ….
    Ich wünsche Euch eine Gute Nacht
    uns allen wünsche ich das
    Elisabeth

  3. Sommersprosse schreibt:

    Die vielen Kleinigkeiten, die einem Freude bereiten, das habe ich schon verstanden.
    Es geht mit ja genauso,obwohl ich sie sehr selten sehe. Jede Bewegung die zeigt, dass Saskia Spaß hat am Leben , jedes Grinsen macht einen glücklich!

    Mich hat nur der Satz mit dem Untergang dann wieder auf trübe Gedanken gebracht.

    Also gut, es waren für (ich weiß nicht wie lange) die nächste Zeit die letzten öffentlichen trüben Gedanken.

    Liebe Grüße
    Mutti

    • Barbara schreibt:

      Ach, Sommersprosse1
      Aus der Sicht einer Oma ist es noch mal anders, da kommt diese große Sorge um den eigenen Sohn dazu.
      Erzähl uns ruhig Deine trüben Gedanken…………. von irgendwo muss Locke das ja haben 😉
      Habt eine ruhige Nacht, ihr alle!
      Barbara

  4. Barbara schreibt:

    Lieber Locke!
    Ich mag diesen Post, ich mag ihn sehr.
    Barbara

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