Sitzblockade

Als ich Saskia aus dem Kindergarten abholte, saß sie mit dem Erzieher irgendwo draußen im Schatten, und hing durch (wurde allerdings zeitweilig etwas munter, als sie mich sah).

Ich setzte sie ins Auto, und wir fuhren zur Logopädie. Ich hätte fast geschrieben „Logopädie-Sitzung“, und es hätte gestimmt – auch dabei sitzt Saskia die ganze Zeit. (Heute allerdings war sie so schlapp, dass es sehr zerrig war, und wohl auch nicht wirklich viel brachte.)

Nachdem wir im Auto (sitzend, klar) heimfuhren, packte ich sie in ihren Buggy, um die 100 Meter bis zum Haus zu überwinden. Dort wollte sie nicht zur Haustür rein, sondern in den Garten – okay, kein Problem. Auf meine Frage, ob sie aus dem Buggy rauswolle, damit wir ein wenig auf der Wiese spielen könnten, kam ein sehr klares Kopfschütteln.

Also blieb sie im Wagen sitzen, wo sie eine Viertelstunde später die Babysitterin (diese Wochen mal ausnahmsweise am Mittwoch) übernahm. Das anschließende Spiel bestand darin, dass Saskia ein Bärchen „fliegen“ ließ – im Buggy sitzend.

Ebenfalls im Buggy sitzend verbracht: das anschließende Abendessen.

Schon am Montag fiel mir das auf, dass Saskias Nachmittag und Abend eigentlich nur aus Sitzen bestanden. Und auch die Szene, dass sie nicht zum Spielen aus dem Buggy (oder ihrem Stuhl) heraus möchte, hatte ich vor ein paar Tagen (vermutlich auch am Montag) schon einmal.

Ich kann ihr das nicht einmal verdenken: Sie merkt wohl selber, dass sie im Augenblick außerhalb eines ihr Halt gebenden Sitzes nicht wirklich Spaß hat – Krabbeln ist mehr denn je eine Herausforderung, eigentlich ist das höchste der Gefühle im Augenblick ein Herumwälzen, oder eben Liegen, wobei sie mit den Armen nach irgendwelchen Dingen schlagen kann.

Erwähnte ich schon einmal, dass Saskia schon als Baby Hummeln im Hintern hatte, und wir es bei ihr nie erlebt haben – im Gegensatz zu allen anderen Babys von Freunden -, dass sie einfach nur so ruhig auf dem Boden liegen und friedlich in die Welt schauen konnte? Saskia wurde erst ein friedliches und ruhiges Baby, als sie krabbeln und dann laufen konnte – davon, still zu liegen, hielt sie noch nie etwas.

Umso mehr kann ich verstehen, dass es sie auch heutzutage überhaupt nicht befriedigt, irgendwo auf dem Boden zu liegen und sie nicht selber bewegen zu können.

Trotz dieses Verständnisses … die Vorstellung, dass Saskia ihre Tage bald komplett sitzend verbringt, wenn die Motorik nicht sehr schnell wieder in Schwung kommt, tut ziemlich weh.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Saskia veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Sitzblockade

  1. Hesting schreibt:

    Ich stimme Deiner Einschätzung zu, möchte aber ergänzen:
    Man kann auch im Liegen die Motorik trainieren.
    Hatte Saskia eigentlich je ein Kinderklavier oder was ähnliches?

    Ansonsten kommt mir dieser Mann (der leider letztes Jahr gestorben ist) in den Sinn:
    http://www.humor.ch/cliniclowns/kiphard/mainkiphard.htm

    (Ihr wohnt nicht zufällig im Rhein-Main-Gebiet? Ich hab da gerade eine Idee …)

    • Graugrüngelb schreibt:

      Nein, im Rhein-Main-Gebiet wohnen wir nicht.

      Freunde von uns haben ein Kinderklavier und Saskia hatte da schon sehr viel Spaß damit – wie man hier sehen kann.
      Saskia macht Musik

      Deshalb hat sie zu Weihnachten ein eigenes bekommen, was bisher nur 1-2mal benutzt wurde und ansonsten sinnlos in der Ecke steht 😦

  2. Pingback: Präzisierung | Besser so als anders

Gib Deinen Senf dazu (nich' kleckern, hier is' wisch gefrischt!):

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s