Arbeitsintensiv

Spannend wars schon, das Vorstellungsgespräch – der Job wäre nicht direkt, hmm, innerhalb meiner Kernkompetenz, aber nichts, in das ich mich nicht in sinnvoller Zeit einarbeiten könnte. Software-Entwicklung an einem durchaus interessanten Projekt halt.

Das Schlüsselzitat aus den beiden Gesprächen jedoch ist: „Wer eine 40-Stunden-Woche und 30 Tage Urlaub will, sollte nicht zu einem Startup-Unternehmen gehen.“. Gesagt von einem Mann, in dessen erster Firma die Leute auch mal 120 Stunden pro Woche gearbeitet haben. Ich selber habe die ganz harten Zeiten damals nicht mehr miterlebt – mein Rekord waren 90, und das reichte mir irgendwie. Nachdem wir gekauft worden waren, mussten einige Leute drei Monate frei nehmen – um ihren über Jahre angesammelten Urlaub „abzuarbeiten“. Soviel zur Arbeitsbelastung damals. Und von diesem Mann dann dieses Zitat ….

Hmm. Hmmmmmmm.

Also, ich habe eine schwerbehinderte und dadurch zeitintensive Tochter. Doch, ich hätte schon gern eine 40-Stunden-Woche.

Und diese zeitintensive Tochter kommt nächstes Jahr in die Schule – wo wir dann pro Jahr nicht mehr 3 Wochen Kindergartenferien, sondern 10 Wochen (oder irgend etwas in der Größenordnung) Schulferien haben werden. Doch, ich hätte sehr gerne wieder 30 Tage pro Jahr Urlaub. Ja, das gesetzliche Minimum sind 24 – aber ich hab‘ mich irgendwie ein bisschen an meine 30 gewöhnt.

Ich hab‘ mal nicht gesagt, dass das praktisch ein KO-Kriterium für mich ist. Mich würde interessieren, ob sie sich jetzt nochmal melden, sprich: wie gut ich mich verkauft habe. Dass sie nicht unmittelbar gesagt haben „Wir nehmen Dich.“ (Ja, da wir uns aus alten Zeiten alle kannten, haben wir uns weiterhin geduzt. Nein, das war kein Zeichen mangelnden Respektes.), hat nichts zu bedeuten – ich weiß von meinen Noch-Kollegen, die das Gespräch letzte Woche hatten, dass auch sie ihr Angebot nicht am selben Tag bekommen haben.

Fazit: Das wird wohl eher nichts für mich.

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14 Antworten zu Arbeitsintensiv

  1. Hesting schreibt:

    Ich wollte schon zum letzten Artikel zum Thema schreiben, daß 2 Vorstellungsgespräche in 13 Jahren ganz schöner Luxus sind (das schreibe ich aus der Perspektive von einer, die zwischen Februar 2010 und April 2011 bestimmt über 200 Bewerbungen geschrieben hat). Aber die Aussage „Wenn Du keine 12 Stunden am Tag arbeiten willst, brauchst Du gar nicht erst hier anfangen“ finde ich ziemlich daneben, weil meines Wissens bei >12 Stunden Arbeit/Tag der Versicherungsschutz für den Arbeitsweg entfällt.

    • Ja, das ist Luxus – ich weiß. Ich hatte überlegt, ob ich das erwähne, oder lieber nicht 🙂

      Eigentlich war im Arbeitszeitgesetz doch auch irgend etwas von maximal 10 Stunden pro Tag, oder so, kann das sein?

      • Ute schreibt:

        Das stimmt, aber in der Praxis interessiert das – Pardon – kein Schwein. Was will man auch dagegen machen? Man kann sich beim Betriebsrat beklagen, aber nach meiner Erfahrung passiert dann eines von zwei möglichen Dingen: Entweder der BR nimmt sich den jeweiligen Vorgesetzten zur Brust – und der gibt dann hintenrum dem Beschwerdeführer eins aufs Dach. Oder aber der Betriebsrat ist so lasch, daß er nur rumschwadroniert und genau gar nichts unternimmt. Oder einem sogar noch predigt, in wirtschaftlich so schwierigen Zeiten müssen man sich leider etwas zurückhalten. Ändern wird sich jedenfalls höchstwahrscheinlich genau gar nichts.

        • Klar, das ist ein sehr theoretisches Konzept. Bei dem Mann, dem ich gestern gegenübersaß, würde eine solche Beschwerde, da bin ich mir ziemlich sicher, sogar als fehlende Loyalität gegenüber der Firma ausgelegt werden. Nach dem Motto: Es ist gut für das Wohl der Firma, da muss man sich halt auch mal richtig reinknien, wenn man was reißen will (Aussagen dieser Art kamen da auch.).

          In der Theorie hat er damit auch recht, und in einer anderen privaten Situation hätte ich damit auch weniger Probleme. Ich habe damals vor 12 Jahren auch regelmäßig mehr als 40 Wochenstunden gearbeitet, und sicher auch oft die 10 Stunden oder mehr geschafft. Das war meistens okay – da machte die Arbeit Spaß, man sah Ergebnisse, und ich war Single.
          Soll heißen: Prinzipiell kann die Grenze durchaus mal über den 8 Stunden pro Tag liegen, und alle Beteiligten sind damit zufrieden. Problematisch wird es halt, wenn es (implizit oder explizit) gefordert wird, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass der eine oder andere halt doch noch ein Privatleben haben möchte).

      • Zu dem Luxus noch: Ich gehe fest davon aus (und nicht erst seit gestern), dass ich demnächst etliche Gespräche haben werde – diesmal wird das nichts mit „Hingehen und genommen werden“. Ich bin halt im Augenblick nicht sonderlich pflegeleicht mit meinen Ansprüchen.

        Ein mir sehr wichtiger Punkt ist zum Beispiel, dass ich möglichst wieder ein oder zwei Tage die Woche von zu Hause arbeiten will – denn ich habe für alles, was in der großen Stadt liegt, im Berufsverkehr jeweils eine Stunde An- und Abfahrtsweg, die würde ich mir gern ab und zu sparen (Das ist einfach Zeit, die für die Familie sehr wichtig ist.).

        Außerdem möchte ich regelmäßig einen Teil meiner Stunden von zu Hause arbeiten können – dann nämlich, wenn Saskia schläft. Sonst sähe nämlich bei 8 Stunden im Büro und zwei Stunden Fahrt der Tag so aus, dass wir morgens Saskia aus dem Bett holen, frühstücken, sie in den Kindergarten bringen, ich ins Büro fahre – und dann abends pünktlich zum Abendbrot wieder zu Hause bin. Keine sehr verlockende Vorstellung, weder für mich, noch für Saskia, noch für die beste aller Ehefrauen. Dazu ist Saskia einfach zu anstrengend.

        Tja, und diese Ansprüche muss ich erst mal irgendwo erfüllt bekommen.

        • Hesting schreibt:

          Kannst Du Dir denn vorstellen, selbständig zu werden?
          Ich weiß, das ist erstmal mehr Aufwand (und ich bin dazu momentan nicht bereit), aber es würde sehr wahrscheinlich die Frage mit den Arbeitszeiten entzerren.
          Hättest Du die Infrastruktur dafür?

          • Nein, das ist nichts für mich. Ich hasse administrativen Kram, den man braucht, um Dinge am Laufen zu halten. Und Selbständigkeit zieht eine Menge solcher Dinge nach sich. Außerdem ist da die Arbeitszeit zwar sicher flexibler, aber die Gesamt-Arbeitsbelastung eher noch höher als in einem abhängigen Arbeitsverhältnis – und die Zeit haben wir mit Saskia einfach nicht.

            Nee, eher nicht 🙂

        • Ute schreibt:

          Ich bekomme diese Ansprüche erfüllt. Genau so. Meinen Arbeitgeber kennst Du ja. 😉

          • Jajaja – mach mich nur neidisch! 🙂

          • Graugrüngelb schreibt:

            Dann müsen wir wohl mal gucken, ob dein Arbeitgeber hier Leute sucht. Nach Dortmund umziehen wollten wir jetzt eigentlich nicht deswegen 😉

          • Ute schreibt:

            Soweit ich weiß: Ja. Hatte vor ein oder zwei Wochen erst eine Mail dazu im Postkasten. Ich weiß halt nur nicht genau, wieviele Leute sie suchen.

          • Dann werd‘ ich mal in mich gehen, ob ich überhaupt wieder bei einer solch großen Firma arbeiten wollen würde – aber vermutlich sind die damit potentiell verbundenen Nachteile genau der saure Apfel, in den ich beißen muss, wenn ich die oben geschilderten Vorteile haben möchte.
            Und wenn dann die Antwort auf die Frage „ja“ lautet, dann interessiere ich mich mal dafür, was für Stellen zu besetzen sind …

  2. Tanja schreibt:

    Bei uns in der Firma wärs so, dass man lt. Betriebsrat nicht mehr als 10 Stunden/Tag arbeiten darf. Ich muss mich auch bei der Abteilungsleitung rechtfertigen, sollte ich mal über diese Zeit kommen (nein, ist so gut wie nie – irgendwann reichts).
    Wenns nicht passt, gibt´s sicher noch andere gute Jobs für dich!

    • Ja, die Regelung gab es in meiner Noch-Firma auch. Plus Pausenzeiten und dergleichen. Insbesondere Letztere habe ich nie eingehalten: Wenn man an einem spannenden Problem sitzt, und es gerade alles flutscht, dann hört man nicht mittendrin auf 🙂

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