Unverschämt

Heute gab es eine Betriebsversammlung, in der uns unser Betriebsrat das Ergebnis der Verhandlungen mit meinem Noch-Arbeitgeber mitgeteilt hat. Ich sag‘ mal so: Es hätte schlimmer kommen können.

Na gut, ich bin mal ehrlich: Es ist ein verdammt gutes Paket, dass da geschnürt wurde.

Punkt 1: Wir bekommen eine Abfindung. In die Höhe gehen das Lebensalter, die Länge der Betriebszugehörigkeit, das Monatsgehalt und ein Korrekturfaktor ein. Dazu kommen ein Pauschalbetrag pro Kind, sowie eine so genannte „Turboprämie“, die eigentlich „Halt’s Maul“-Prämie heißen müsste – denn die bekommt, wer sich schriftlich verpflichtet, keine Kündigungsschutzklage (die aus diversen Gründen sowieso nicht sehr aussichtsreich wäre) zu erheben. Das alles summiert sich in meinem Fall zu einer ehrlich gesagt ziemlich hübschen Zahl.

Punkt 2: Sie kaufen uns bzw. sich nicht aus der regulären Kündigungsfrist heraus. Bei mir sind das 5 Monate. Die Kündigung bekommen wir im Juli, also zählt die Frist ab 1. August – und das bedeutet, dass ich bis Ende des Jahres weiter bezahlt werde.

Punkt 3: Teil der Vereinbarung ist, dass man die Kündigungsfrist nicht wirklich absitzen muss – wer vorher einen Job bekommt, darf innerhalb von einer Woche raus – bekommt aber trotzdem die volle Abfindung (nur dass die Betriebszugehörigkeit dann halt ein paar Monate weniger hat). Das erlaubt es einem, auf eventuelle „Wir wollen Dich unbedingt nächste Woche / nächsten Monat haben, sonst wird das nix!“-Wünsche eines möglichen neuen Arbeitgebers einzugehen.

Punkt 4: Man kann sich (muss aber nicht) für die Dauer von 4 Monaten in die Obhut einer auf „Outplacement“ (welch widerlicher Euphemismus für „Rauswurf“) spezialisierten Firma begeben. Das schließt die üblichen Karriereplanungsdinger ein: Selbst- und Fremdbeurteilungen, Bestandsaufnahme, Lebenspläne, Bewerbungstrainings, etc. Die Firma behauptet von sich, eine Erfolgsquote von über 90 Prozent zu haben – soll heißen, 9 von 10 der von ihnen betreuten Leute bekommen wieder einen Job innerhalb der Betreuungszeit.
Ich denke, ich werd‘ mir das geben – wie üblich bin ich zumindest teilweise skeptisch („Karriere“ und „Planung“ sind zwei Dinge, die in meinem Weltbild nicht viel miteinander zu tun haben, aber das ist ein anderes, umfangreicheres Thema :)), aber schad’t ja nix, sich mal selber eine Meinung zu bilden.

Nein, ich schäme mich nicht dafür, selbst bei einem Rauswurf noch solche Bedingungen, von denen der  gemeine Angestellte einer kleinen Firma nur träumen kann, zu bekommen. Aber ich weiß sehr wohl einzuordnen und zu schätzen, wie unverschämt gut sie sind.

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Eine Antwort zu Unverschämt

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