Verwunschen

Nachdem wir gesternvorgestern die Lower Falls im Glen Nevis erwandert hatten, wollten wir heutegestern, vor der anstehenden Rückkehr nach Glasgow, noch die Upper Falls besichtigen. Die erreicht man nur zu Fuß (zu den Lower Falls hätte man auch fahren können), allerdings wussten wir vorher nicht, wie lang die entsprechende Strecke sein würde – wir fuhren einfach hoffnungsvoll die einzige Straße im Tal immer weiter … Diese Straße war dann auch, zum ersten Mal in diesem Urlaub, so, wie wir schottische Straßen in Erinnerung hatten. Das bedeutet: Eine Spur für beide Richtungen, und alle hundert Meter eine Ausbuchtung, damit man bei Bedarf ausweichen kann. Außerdem gehören zu solch einer original schottischen Berg-Straße unbedingt Schafe (auf diesem Bild allerdings noch auf dem zweispurigen Teil):

Am Ziel-Parkplatz angekommen erwartete uns folgendes Schild:

„Increasingly dangerous“ – aha. Wir hatten die Wanderschuhe im Auto, waren aber klamotten-mäßig eigentlich nicht wirklich auf schwierige und „gefährliche“ Wege eingerichtet. Macht nix, schauen wir mal, wie weit wir kommen.

Der Weg führte ein wenig über Stock, und recht schnell auch über Stein, und wurde wirklich immer schwieriger. Links der Berg, rechts das Tal, von links nach rechts fließend die üblichen Bächlein,

die zumindest anfangs meist eine liebevoll in den Weg gegrabene Rinne hatten, über die man einfach drüber steigen konnte. Dann kamen die Stellen, an denen der Weg aus dem Stein gehauen war: Felsgestein, mit zentimeter- bis meterhohen Stufen. Rechts natürlich immer noch der tief ins Tal führende Abhang. Aber grün alles ringsum – eine Wucht!

Irgendwo an einer solchen Stelle beschlossen wir, dass die beste aller Ehefrauen lieber zum Auto zurückkehrt, und ich mal schaue, wie es oben weiter geht.

Das Tal wurde enger, die Steine nasser (hier flossen die Flüsse jetzt direkt über den Stein, aus dem der Weg gehauen war), der Anstieg steiler. Recht dieser Anblick:

Die Schlucht, zu der das Tal sich unauffällig verengt hatte, war nur noch wenige Meter breit, der eigentliche Fluss war verborgen unter riesengroßen Steinbrocken, unter denen es munter plätscherte und rauschte.

Und dann kam der magische Moment – ich jedenfalls empfand es so. Der Aufstieg endete, die Schlucht wurde wieder zu einem Tal – und zu was für einem!

200 Meter breit, der Fluss plötzlich ruhig dahinfließend, rechts und links steil aufsteigende grüne Berge, dazwischen Wiese, Moos, vereinzelte Bäume und Sträucher. Und ganz weit hinten ein Wasserfall.

„Verwunschen“ ist das Wort, das sich mir in diesem Augenblick aufdrängte. Vielleicht habe ich zu viele Fantasy-Rollenspiele gespielt, aber wenn in diesem Augenblick ein Einhorn oder ein Troll durch das Tal gelaufen wären, hätte mich das überhaupt nicht gewundert 🙂

Von etwas näher sieht der Wasserfall dann so aus:Noch weiter kam ich leider nicht heran – dazu hätte ich diese Brücke hier überqueren müssen:

Nein, das sind keine Bretter unten, die nur von der Seite fotografiert wurden, und deshalb so schmal aussehen: Das ist ein Stahlseil, über das man balancieren müsste. Und da die beste aller Ehefrauen mir einen – gar fehlgeschlagenen – Überquerungsversuch zweifellos übelgenommen hätte, ließ ich es lieber bleiben.

Vom Wasserfall nach links sah der Blick übrigens so aus:

Das Tal hier oben machte also eine scharfen Linkskurve. Der Wasserfall, den ich gesehen hatte – das waren die Steall Falls, und nicht der gesuchte „Obere Wasserfall“ – wie weit man noch laufen müsste, um den zu erreichen, das weiß ich bis heute nicht.

Ich beschloss, mich wieder an den Abstieg zu machen, um die beste aller Ehefrauen nicht allzu lange warten zu lassen. Und auf der (sehr sehr kurzen) Liste der Dinge, die ich in diesem Leben auf jeden Fall noch tun muss, steht seitdem das Erreichen der Upper Falls im Glen Nevis. Diesen magischen Platz muss ich unbedingt nochmal in aller Ruhe genießen.

Update: Oops, da oben stand eine Zeitlang „heute“ und „gestern“, wo „gestern“ und „vorgestern“ hingehören. Ich hatte den Artikel schon gestern am Laptop geschrieben, mangels WLAN an unserem letzten Tag aber erst heute veröffentlichen können.

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4 Antworten zu Verwunschen

  1. Tanja schreibt:

    wow! das sind tolle Bilder.
    und es hört sich nach einer richtig guten Zeit für euch dort an. Geniesst es!
    liebe Grüsse
    Tanja

  2. Hesting schreibt:

    Schöner Blick, in der Tat. Wiederkommen ist übrigens bestimmt keine Schande.

  3. Elisabeth schreibt:

    Die Bilder sind wunderschön, da wäre ein Troll so richtig gut aufgehoben…
    Elisabeth

  4. Pingback: Vermisste Erfolge | Besser so als anders

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