Fremdbestimmter Kalender

Und schon wird es unlustig.

Gestern, bei der Meldung auf dem Arbeitsamt, bekam ich einen Berater-Termin in ca. 14 Tagen. Da ich meinen Kalender auf dem PC pflege, und trotz aller Computer-Affinität Smartphones (oder Ähnliches) für ein eigentlich unnötiges Gimmick halte, hatte ich den akzeptiert. Beim abendlichen Blick in den Kalender stellte ich gestern dann fest, dass ich vorher einen Arzt-Termin mit Saskia habe (witzigerweise im selben Haus), und nicht garantieren kann, dass ich danach Saskia zum Kindergarten bringen und rechtzeitig auf dem Amt sein kann.

Nach mehrmaligen Versuchen habe ich dann heute jemanden telefonisch erreicht, und wollte den Termin verschieben. Ich wurde gefragt, warum ich absage. Auf meine Erklärung hin wurde mir dann gesagt, dass ich eine Bescheinigung des Arztes beibringen müsse, dass ich dagewesen sei. Ehm – habt Ihr sie noch alle? Nein, das habe ich nicht gefragt, sondern nur, ob diese Bürokratie ihr Ernst sei – woraufhin ich etwas über die Rechtshilfebelehrung zu hören bekam.

Mir werde ein neuer Termin zugeschickt, sagte die Dame noch. Hmm – ich darf also nicht vorher schauen, ob der mit meinem Kalender kollidiert, und wenn er das doch tut, dann machen wir diesen Bescheinigungs-Mist wieder? Sie war dann wenigstens so einsichtig zu notieren, dass der Termin bitte nur nach telefonischer Rücksprache mit mir festgelegt wird. Dankeschön. Ich habe ein schwer behindertes Kind, um das ich mich doch die eine oder andere Stunde meines Lebens kümmern muss, mit dem ich zweimal die Woche zur Therapie und öfters mal zum Arzt muss, wir haben demnächst Handwerker im Haus, diverse Reha-Berater besuchen uns immer mal wegen Saskias Hilfsmitteln … nein, tut mir leid, ich sitze nicht 24 Stunden am Tag hier herum und langweile mich, so dass einfach jemand anders über meinen Kalender bestimmen könnte.

(Ja, rechtlich gesehen hatte die Dame vermutlich vollkommen Recht. Das macht es keinen Deut besser. Ich habe jetzt eine ganz klitzekleine Ahnung davon, wieviel Spaß man da noch haben kann. Und wie recht die Leute haben, die in der ganzen Gesetzgebung zum Thema Arbeitslosigkeit eine Verletzung der Menschenwürde sehen.)

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5 Antworten zu Fremdbestimmter Kalender

  1. Graugrüngelb schreibt:

    Tja, genau das ist eben das Problem, wenn man einmal in die Mühlen der Bürokratie gerät. Sehr nett fand ich auch immer Termine, die so gelegen sind, dass man es mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum schaffen kann, pünktlich zu sein. Nicht jeder Arbeitssuchende hat ein Auto zur Verfügung. Und oft genug hast du eben KEIN Mitspracherecht, was die Terminwahl angeht – scheint sich in den vergangenen 14 Jahren, seit ich da ein paar Mal antreten durfte, nicht viel geändert zu haben. (Wenn du keine Arbeit hast, hast du nach der Definition einiger Mitarbeiter offenbar 24 Stunden pro Tag zur Verfügung zu stehen.)

  2. sommersprosse schreibt:

    Die Damen und Herren vom Arbeitsamt haben sicherlich Ihre Bestimmungen und Gesetze zu befolgen. Aber sie sollten schon auch Mensch dabei bleiben und genau das fehlt den Meisten, wenn man diverse Erzählungen und Berichte verfolgt.
    Sie sollten zwar die Probleme der Gegenübersitzenden nicht zu sehr an sich ranlassen, trotzdem finde ich, sie müßten , bevor sie auf die Menschen „losgelassen“ werden, noch in Phsychologie und auf sozialem Gebiet geschult werden, so eine Art Sozialarbeiter.
    Gerade die arbeitslosen Menschen haben ein besonderes Einfühlungsvermögen und Veständnis nötig.
    Da hast sicherlich noch öfters Deinen „Spaß“.

    Liebe Grüße
    Mutti

    • Hesting schreibt:

      Glaubt man der Kritik, die Verbände wie der DGB (oder war’s doch ein anderer?) an dem Gebahren der Jobcenter-Mitarbeiter äußern, dann ist der Menschlichkeitsfaktor schon durch einen sehr rigorosen Vorgabenkatalog begrenzt.
      Und dadurch gibt es natürlich tatsächlich einen nach der Vermittelbarkeit, der Ausbildung usw. gestaffelten Umfang von subtilem Druck, der auf den „Kunden“ ausgeübt wird. Dazu zählen die Uhrzeiten der Termine, der Umfang der zu schreibenden Bewerbungen pro Zeitraum, der Umgang mit der Weiterbildungsfrage.

  3. Elisabeth schreibt:

    Überall das Gleiche….hier ist das nicht anders.
    Lass Dich nicht ärgern, denn du hast auch Deine Rechte….
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
    Elisabeth

  4. Hesting schreibt:

    Ich muß sagen, daß ich immer auf Terminverschiebungen bestanden habe, wenn ich irgendwo war, wo sich sowas wie eine neue Bewerbungsmöglichkeit ergeben hat.

    Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du das mit der Krankheit Deiner Tochter nicht angeben kannst. Du solltest es nur nicht so rüberbringen, als sei Deine Vermittlung damit in Gefahr. Daß Deine Frau für alle Saskia-Termine frei nimmt, kann ja auch nicht deren Ziel sein … zumal diese Beratungsgespräche … nunja, halt nur Beratungsgespräche sind und das eigene Engagement nicht ersetzen.

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