Verschobene Wahrnehmung

Wenn man das Telefon abnimmt, und es ist ein Junge aus Saskias Kindergarten dran, der fragt, was sich Saskia zum Geburtstag (zu dem er eingeladen ist) wünscht – das ist irgendwie … komisch. Saskia ist sooooo weit von so etwas entfernt – es gibt immer wieder Situationen, in denen ich einfach überrascht bin von den Fähigkeiten kleiner Kinder, die eigentlich doch auch in Saskias Alter sind.

Am Wochenende bei der 120-Jahr-Feier gab es auch andere Kinder in Saskias Alter, da fiel mir öfter auf, dass ich von den körperlichen Fähigkeiten überrascht war. Völlig frei auf dem Sofa rumturnen? Das ist für Saskia so absurd, dass ich schon vergessen habe, wie selbstverständlich es eigentlich ist.

Ja, klar, Saskia steckt seit 4 Jahren in einem Entwicklungsstau, aber das ist meist nur ein rein intellektuelles Wissen, das muss ich bewusst abrufen. Meine Vorstellung von ihr orientiert sich an dem, was ich jeden Tag sehe. Und in einem völlig falschen Rückschluss ist ein Teil von mir dann immer der Meinung, dass alle Kinder in ihrem Alter ihre Fähigkeiten haben.

Da ist jetzt gar keine Bitterkeit drin, ich finde es nur gerade mal wieder spannend zu erkennen, wie sehr meine Wahrnehmung der Welt (zumindest eines Teils davon) inzwischen von Saskia geprägt ist.

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4 Antworten zu Verschobene Wahrnehmung

  1. Tanja schreibt:

    ja, mir gehts auch so.
    Ich habe eine Nichte, die ist genauso alt wie Niklas. Und wenn Kathariana einfach ins Auto steigt und sich zum anschnallen hinsetzt, ich ihr ein Kipferl in die Hand drücken kann – dass sie alleine isst – dann bin ich noch immer baff….. und das mit 4 1/2 Jahren? Ja, eigentlich „normal“ für das Alter. Nicht für uns…..

    • Graugrüngelb schreibt:

      Eine Zeitlang bin ich immer zusammen gezuckt, wenn ein gleichaltriges gesundes Kind irgendwo hochgeklettert ist – ohne, dass jemand da war, um es zu sichern – egal ob das ein Klettergerüst, ein Stuhl oder das Dach vom Spielhaus war. Jedes Mal wollte ich instinktiv das Kind sichern bzw. runter holen. Das hat sich zum Glück etwas gebessert.

  2. Lars schreibt:

    Ja, ich kann mir schon vorstellen, dass das nicht einfach für euch war. Vor dem ersten Zusammentreffen unserer Töchter habe ich unserer versucht zu erklären, was da auf sie zukommt. Sie hat mir den Eindruck vermittelt, dass sie mich verstanden hätte. Sie hatte noch keine Berührungspunkte mit dieser oder einer ähnlichen Krankheit, so dass sie sich während der ersten Momente lediglich auf das Beobachten von Saskia beschränkte. Erste Reaktion im Auto nach dem ersten Treffen: „ich weiß noch gar nicht was ich mit ihr spielen kann. Ich muss nachher nochmal schauen, was sie denn schon alles kann“. Am Sonntag dann unter anderem: „wird Saskia wieder gesund?“ oder „ich möchte nicht so eine Krankheit haben“… ja, ich weiß mein Schatz…
    Hut ab für eure Kraft!

    • Ach, so schlimm war es diesmal gar nicht. Das gibt es durchaus auch, dass ich beim Anblick gesunder Kinder heulen könnte, aber das war kein Problem am Wochenende.

      Nein, ich fand es halt nur recht … surreal. Als ich da mit ihr tobte, und sie herum sprang, und dabei das erwartete Gewicht in meinen Händen fehlte – weil sie sich eben im Gegensatz zu Saskia nicht auf fremde helfende Hände verlässt, sondern eine irgendwie verblüffende und überraschende – und trotzdem so absolut normale – Körperkontrolle an den Tag legte – das war mehrmals ein komisches Gefühl. Als wäre ich im falschen Film, mit einem anderen als dem mir bekannten Drehbuch.

      Ihr habt eine süße Tochter – hatte ich noch nicht gesagt, oder? Und danke für Deine Worte …

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