Essenspläne

Morgen in einer Woche fahren wir mit Saskia nach O., um die ketogene Diät zu beginnen. Danach wird Saskia zu jeder Mahlzeit Essen bekommen, das aufs Gramm genau ausgewogen ist, mit einem ganz bestimmten Anteil Eiweiß, Fett, und Kohlenhydrate. Jede Mahlzeit in sich wird „ausgewogen“ sein, so dass sie immer alles oder nichts essen muss. Die Gesamtmenge, die sie essen darf, wird deutlich geringer sein als heute – bezogen auf Gewicht und Volumen, nicht bezogen auf die Kalorien.

Spontanes „Lass‘ uns mal was essen gehen“ wird nicht mehr funktionieren – wenn wir irgendwo unterwegs sind, wird Saskia genau das essen können, was wir vorher für sie vorbereitet und mitgenommen haben, oder gar nichts.

Die meisten „normalen“ Dinge werden für sie gestrichen werden: Eis, Schokolade, Saft, normales Brot, Brötchen … Ab und zu werden wir vermutlich mal ein oder zwei Gramm Marmelade unterbringen können, ihr geliebtes Nutella wird wohl komplett gestrichen werden. Milch fällt ebenfalls weg.

Stattdessen werden wir diverse Rezepte ausprobieren, die all solche Dinge ersetzen können – ketogenes Eis, zum Beispiel, hergestellt mit ganz viel Mascarpone. Für Nutella gibt es wohl auch einen ketogenen Ersatz. Ob Saskia die jeweils akzeptiert, ist allerdings offen – das Milch-Surrogat wollte sie bei der letzten Diät vor drei Jahren partout nicht trinken.

Medikamente werden wir ihr nicht mehr mit Apfelbrei geben können – viel zu viel Zucker. Statt dessen wird sie sie in Mayonnaise oder purer Butter bekommen.

Saskias Mittagessen werden wir wohl wieder abends für die nächsten zwei bis drei Tage vorkochen. Das Erstellen der Essenspläne für die nächsten Tage wird auch wieder die eine oder andere Stunde kosten.

Ich ertappe mich – oder eher uns – ab und zu bei Gedanken der Art „Lass sie das ruhig noch mal essen, nächste Woche ist das wieder vorbei, für Wochen, Monate, oder gar Jahre …“

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14 Antworten zu Essenspläne

  1. Ute schreibt:

    Pardon, wenn das jetzt eine dumme Frage ist, aber: Das klingt seeeehr fettreich. (Medikamente in Mayo oder Butter pur – das hättet Ihr in mich im Leben nicht reingekriegt *würg) Wie klein müssen da die Portionen sein für ein Kind, das mangels Bewegung eh schon einen ziemlich reduzierten Grundumsatz und somit Gefahr von Übergewicht haben dürfte? Da kommt doch mengenmäßig nicht viel mehr als zwei bis drei Bissen pro Mahlzeit in Frage. Mosert sie da nicht, oder wie macht Ihr das?

    • Das ist fettreich :). Das ist die Idee bei ketogener Diät, dass der Körper Fett statt Zucker verbrennt.

      Tja, wieviel das wird, und ob sie es akzeptiert, und all dergleichen – das werden wir herausbekommen. Letztes Mal hat es recht problemlos geklappt, aber das ist halt drei Jahre her. Butter pur würde sie auch heute schon essen, wenn wir sie ließen 🙂

      Was die Größe der Portionen angeht: Man kann „aufblasen“. Pilze zum Beispiel haben fast gar nichts, weder Eiweiß noch Zucker noch Fett. Es gab noch mehr derartige Dinge, glaube ich, …

    • Graugrüngelb schreibt:

      Ute, die Idee hinter der Diät ist, den Stoffwechsel vollständig auf Ketose umzustellen und damit den Zustand zu erreichen, den man auch beim Fasten erreicht: Es wird (fast) ausschließlich Fett und nicht Glukose zur Energieversorgung genutzt. Es gibt Menschen mit sonst therapieresistenten Epilepsien, die beim Fasten oder eben durch die Diät weniger Anfälle haben.

      Bei einer ketogenen Diät mit einem (häufig verwendeten) Verhältnis von 4:1 kommen 4 g Fett auf 1 g Nichtfett (Kohlenhydrate und Eiweiße). Ich mag gerade nicht rechnen, habe aber dunkel in Erinnerung, dass Saskia vor 3 Jahren 21 g Eiweiß pro Tag bekam und eine ähnliche Größenordnung Kohlenhydrate – der Rest ist Fett. Vitamine, Kalzium u.ä. müssen zusätzlich gegeben werden, denn das lässt sich mit dieser Art der Ernährung – die ja eigentlich eine komplette Fehlernährung ist – nicht abdecken. Das alles wird ärztlich überwacht, wenn es erfolgreich ist, das Kind mitmacht und der Stoffwechsel ebenfalls mitmacht, kann man das über Jahre machen (empfohlen werden bei Epilepsie ca. 2 Jahre). Damals haben wir 5 Monate durchgehalten, danach war das Aufwand-Nutzen-Verhältnis zu schlecht. Es gibt aber auch Menschen, die sich wegen eines Stoffwechseldefekts so ernähren müssen – da geht die Diät über deutlich längere Zeiträume.

      • Ute schreibt:

        Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, daß das diesmal für länger funktioniert, wenn damals nach 5 Monaten schon Schluß war? Oder lag das nur am Aufwand? Ich habe vorhin mal gegoogelt und da stand, daß ab dem ca. 8. Lebensjahr die Wirkung ohnehin oft nachläßt?

        • Kann man nicht sagen. Vielleicht bringt es gar nichts – wäre nicht das erste Mal, dass ein Medikament – und aus medizinischer Sicht, was die Risiken und Erfolgswahrscheinlichkeiten angeht, ordnet sich die Diät da ein – nur beim ersten Mal wirkt, beim zweiten Mal nicht mehr.
          Vielleicht hilft es auch wieder nur 5 Monate. Selbst das wäre schon was wert, vielleicht bekäme Saskias Gehirn dadurch Luft, um mal wieder den einen oder anderen Entwicklungsschritt zu machen, statt ständig unter Strom zu stehen.
          Was das Nachlassen angeht – keine Ahnung, die beste aller Ehefrauen kennt sich da traditionell besser aus 🙂

        • Graugrüngelb schreibt:

          Zu Wahrscheinlichkeiten äußert sich schon längst keiner mehr ernsthaft. Dass die Wirkung bei älteren Kindern nachlässt, findet man zwar bei einigen Quellen, aber so richtig bewiesen ist das nicht – es könnte auch damit zu tun haben, dass ältere Kinder eher ihren eigenen Willen durchsetzen wollen und deshalb nicht ganz so gut mitmachen bzw. auch Zugang zu anderen Nahrungsmitteln haben – sei es in der Schule, bei Freunden oder auch im heimischen Kühlschrank. Mag also auch an Diät-Fehlern liegen. Wir werden sehen. Ich „kenne“ (online) einige Kinder, die die Diät relativ lange erfolgreich gemacht haben bzw. noch machen – auch in Saskias Alter und darüber.

          Es war nicht nur den Aufwand damals. Es gab eine deutliche Verbesserung zu Beginn der Diät – Saskia war wacher, aufnahmefähiger, hatte aber immer noch viele (Sturz-)Anfälle. Nach einigen Wochen kamen dann die kleineren Anfälle wieder stärker dazu und irgendwann war der Zustand dann ähnlich wie ohne Diät, also wurde sie beendet. Den Effekt haben wir bei den Medikamenten auch – wir hatten schon Medikamente, die kurzzeitig eine deutliche Besserung brachten, aber leider nicht dauerhaft wirken – warum auch immer.

  2. Hesting schreibt:

    Und wenn Ihr das Nutella und den Apfelbrei selbst zusammenbastelt? Oder im Bioladen mal nach einer Alternative sucht?

    • Siehe graugrüngelbs Erklärung oben: Es geht darum, dass sie drei- bis viermal soviel Fett wie Kohlenhydrate+Eiweiß bekommt – zumindest einen Apfelbrei-Ersatz bekommt man so eher schlecht hin. Eine fettreiche Schoko-Creme kann man sich wohl selber basteln, wenn ich mich recht erinnere.

  3. Schwedenlady schreibt:

    Habe mal Low Carb gemacht. Darf sie aufgeschlagene Schlagsahne? Das müsste doch gehen, oder? Anstelle von Butter…

    • Von der Idee her darf sie alles, solange das Verhältnis stimmt. Je mehr Zucker/Kohlenhydrate etwas enthält, umso schwerer wird es. Schlagsahne könnte gehen, ist ja fettig – weiß gerade den KH-Anteil nicht. Aufschlagen ist gut – das bringt Volumen, und damit kann man mindestens den Gaumen, vielleicht auch den Magen betrügen 🙂

    • Graugrüngelb schreibt:

      Schlagsahne ist ketogen, das geht also, solange kein Zucker dran ist und außerdem hat sie natürlich Eiweiß, insofern gehen keine großen Mengen.

      Ansonsten geht auch Götterspeise ohne Zucker, die hat dann weder Kalorien noch irgendwelche Nährstoffe – aber irgendwann konnte Saskia sie nicht mehr sehen. Mayo hat komischerweise „damals“ am besten funktioniert. Ich hatte noch Experimente mit einer Mischung aus Kokosmilch (sehr fettreich), Milch und Wasser als Milchersatz probiert, das ging aber nur sehr eingeschränkt.

      Außerdem bin ich noch auf der Suche nach einem Bäcker in unserer Nähe, der das „Eiweiß-Abendbrot“ im Angebot hat – das würde vielleicht die eine oder andere Scheibe Brot als Trägermaterial erlauben und eine Abwechslung zu Filinchen bieten, bisher bin ich aber nicht fündig geworden.

  4. Elisabeth schreibt:

    Das wäre mit Robert nicht machbar. Er isst ja ganz allein alles was er kriegen kann. Und er kommt mit Anderen zusammen. Allein schon in der Schule, die tauschen so oft das Pausenbrot, die Kinder. Gut, das könnte man nun auch noch der Individualbegleiterin aufs Aug drücken…..(die ist aber eh schon so überfordert!). Doch dann die Tagesstätte….und dann die Heimfahrt im Bus. So oft isst er da was, weil die Kinder im Bus noch in ihren Brotzeittaschen wühlen.
    Dann im Garten:ständig „erntet“ er momentan z.b. Himbeeren, Brombeeren usw.

    • Ja, das glaube ich. An Robert ist da ja auch manchmal einfach kein Herankommen über Vernunft, man könnte ihm zwar sicher das Warum der Regeln erklären, aber dran halten würde er sich trotzdem nicht.
      Das Problem haben wir mit Saskia natürlich weniger, aber ich bin schon gespannt, wie sie es diesmal akzeptieren wird, dass bestimmte Dinge nicht mehr möglich sind, und die Leute um sie herum andere Dinge essen als sie.
      Viele Grüße
      ‚Locke‘

  5. Elisabeth schreibt:

    jetzt fehlt ein Stück vom Kommentar.
    Also ich kann mir vorstellen, dass die Diät bei grösseren Kindern nicht mehr hilft, weil die diese Diät so nicht einhalten. Weil sie eben machen und essen was sie wollen. Und selbst wenn man sie sehr gut überwacht finden über 8jährige immerwieder Auswege
    bei Robert würde es auch an der Einsicht fehlen.
    aber hab ich ja schon mal geschrieben, er isst sowieso am allerliebsten Fett. Er liebt Butter pur und noch so einiges mehr…vielleicht ist das schon ein bisschen von allein so, dass sich sein Körper selber nimmt was er braucht.
    Ich werde interessiert Eure Berichte lesen
    Viele Grüsse
    Elisabeth

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