Fusseliger Mund

Spielen mit Saskia kann auf verschiedene Arten anstrengend sein. Das Gehirn-Erweichende so mancher ihrer Spiele wurde hier schon des öfteren thematisiert …

Etwas anderes, was mir heute zum wiederholten Mal auffiel: Bei ihrem „Eisenbahnspiel“ (das nur so heißt, weil eines der Bilder, auf das man bunte Steinchen legt, eine Eisenbahn ist) rede und rede und rede und rede ich … mir den Mund fusselig. Nach einer Stunde dieses Spiels, in dem ich nach jedem Würfeln sage, welche Farbe das jetzt war, ob oder ob nicht die entsprechende Farbe auf dem Bild noch frei ist, dass Saskia mir bitte den entsprechenden Stein geben möge, dass jetzt Saskia dran ist, oder jemand anders … da dreht sich mir der Kopf, allein vom vielen Reden (sinnlosen Zeugs :-?).

Ich hatte schon immer einen Hang dazu, recht viel mit Saskia zu reden, glaube ich. Zur Zeit scheint es mir manchmal, dass ich mit dem extra vielen Geplapper irgendwie zu kompensieren versuche, dass Saskia selber kaum spricht, sondern nur mit Zeigen kommuniziert.

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11 Antworten zu Fusseliger Mund

  1. Elisabeth schreibt:

    Was passiert wenn Du einfach mal nicht redest? ‚Wenn Du sie „da abholst wo sie steht“, das ist so ein Spruch von unserer ehemaligen Ergotherapeutin.
    Wird das Spiel dann anders? Reagiert Saskia verwundert?
    Wobei ich nicht meine, dass Du sie ärgern sollst, oder die Sprache aus ihr erzwingen sollst. Ich bin mir sicher, wenn sie könnte würde sie sprechen. Aber vielleicht ist es einfach mal anders, ein Stück auch leichter wenn Du nicht redest. Sie hältst, sie streichelst, auch deutest….
    Manchmal wünsch ich mir den Robert näher bei Euch. Er spielt so richtig schön und gut mit Kindern die es so schwer haben. Er kennt kein Mitleid. Er nimmt z.B. Selina so wie sie ist, Selina ist für ihn normal so wie es läuft. Dass sie nicht spricht hat ihn dazu gebracht die Zeichensprache zu lernen. Und er hat Geduld, er kann das. Und wenn Selina dann anstrengend wird dann sagt er „es reicht, Du brauchst mich gar net so anspinnen…!!“ Und dann schauen manche Erwachsene erschrocken und sagen „Wie redest Du denn mit ihr?“
    Und auch Selinas Mama findet es gut, wenn Robert ganz normal mit Selina umgeht. Manchmal hat man das Gefühl, dass genau das auch für Selina wunderschön ist. Sie mag ihn auch wenn er Klartext redet.
    Ich wünsch Euch eine schöne Woche. Seid Ihr alle drei zu Hause, oder?
    Elisabeth

    • Ich weiß nicht, was für Saskia schöner wäre … ich finde es extrem traurig, sie immer nur mit Gesten kommunizieren zu sehen (abgesehen davon, dass es oft einfach nicht funktioniert – ein wackelnder Zeigefinger ist auf Dauer nicht sehr aussagekräftig) – mich macht es ziemlich fertig, dass sie zum Beispiel fast gar nicht mehr in der Lage ist, die Farben bei ihrem Lieblingsspiel zu benennen. Rot und Blau und Gelb gehen, Rosa und Orange und Gelb klappen fast nie. Und das konnte sie mal – in ihrer sehr eigenen Aussprache, klar, aber sie hat es wenigstens aktiv benutzt. Alles weg, oder ihr nur mit sehr viel Anstrengung in stark verstümmelter Form zu entlocken.

      Insofern steckt hinter meinem Gerede auch der Wunsch, sie damit zu animieren. Letztendlich war das schon immer der Hintergrund hinter meinem Reden mit ihr, auch zu Zeiten, als sie noch gesund war: Reden, um zum Sprechen zu animieren.

      Dinge wie „Du brauchst mich gar net so anspinnen“ würde Saskia übrigens nicht verstehen :), jedenfalls nicht auf der verbalen Ebene.

      Seid Ihr alle drei zu Hause, oder?

      Nein, die beste aller Ehefrauen geht arbeiten, heute war noch die eine Oma da, ab morgen werde ich heraus bekommen, wie anfällig ich gerade bin, wenn ich die Tage bis zum späten Nachmittag alleine mit Saskia verbringen darf 🙂

      Viele Grüße
      ‚Locke‘

  2. Ute schreibt:

    Fragt sich, für wen du das kompensierst. Für dich, damit das Spiel wenigstens annähernd normal wirkt? Oder für deine Tochter, um sie zu animieren? So oder so scheint ja beides nicht zu funktionieren, sonst würdest du es hier nicht in dieser Form posten. Daher ist es vielleicht gar keine schlechte Idee, das Geplapper einfach mal sein zu lassen und zu gucken, was bzw. ob sich was ändert. (Und wenn es nur ist, daß du dir nicht mehr selber auf den Geist gehst. *g*)

    • Wenn ich nicht rede, dann geht mir die Stille auf den Geist 😕

      • Ute schreibt:

        Mach‘ doch das Radio an. 😉 Wenn ich das nicht hätte, würde vermutlich sogar ich hier manchmal durchdrehen, weil mir „Erwachseneninput“ fehlt. Auch sprechende Kinder sind in ihrer Ausschließlichkeit nämlich nicht immer unbedingt eine geistige Herausforderung. 😉

        • Wirklich Radio klappt nur bedingt. Gerade zu Fußballzeiten kann man über Stunden kein Radio hören, wenn man (wie ich) mit Fußball einfach nichts anfangen kann. Auch sonst gibt es wenige Sender/Zeiten, zu denen permanente Werbung und/oder permanente Jingles mit Selbstbeweihräucherung, verbunden mit dämlichem Gequatsche pseudo-cooler spät-pubertierender Moderatoren, ausreichend selten sind, dass man das Radio wirklich mal eine Stunde lang laufen lassen kann, ohne Mord- und Selbstmordgedanken zu bekommen.

          Bleibt noch Musik aus der Konserve. Funktioniert je nach Stimmung. Wenn ich zum Beispiel Musik laufen habe, die man eigentlich ganz ganz laut aufdrehen müsste, um sie würdigen zu können, ist das der gelegentlich doch notwendigen Konversation mit Saskia auch nicht wirklich förderlich 🙂

          Lange Rede, kurzer Sinn. Ja, manchmal greife ich auch zu externen Geräuschquellen, aber das funktioniert auch nicht immer, aus den unterschiedlichsten Gründen.

          • Ute schreibt:

            Hey, du brauchst WDR 2! Die haben auch einen Live-Stream. 😉

          • Graugrüngelb schreibt:

            Ja, WDR2 ist nett – hab ich in meiner Kölner Zeit auch viel gehört. Ist hier aber leider nicht im Kabel und terrestrisch ohnehin nicht empfangbar, wir haben (noch) kein Internetradio und der PC steht ganz woanders.

          • Ute schreibt:

            Tsss, Ihr lebt ja in der Diaspora! ^^

          • Jetzt, wo ich wieder einen Job hab, bin ich immer mehr versucht, mich mal für ein Gadget zu interessieren, dass es mir erlaubt, sowohl solche Live-Streams als auch sämtliche Audio- und Video-Inhalte von meinem NAS direkt ins Wohnzimmer zu streamen … sollten wir das tatsächlich mal schaffen (und der Teil, auf den ich so gar keine Lust habe, ist die vorgeschaltete Recherche, was denn unseren Ansprüchen am ehesten genügt), dann werde ich auch den WDR2-Tip mal ausprobieren 🙂

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