Selbständiges Lesen

„Neine“ sagt Saskia seit vergangenen Sonnabend, wenn es ans Lesen geht. Was immer abends vor dem Schlafengehen, und, wenn es die Zeit erlaubt, morgens nach dem Wecken der Fall ist.

Alleine lesen möchte sie. Was genau sie sich eigentlich darunter vorstellt, habe ich noch nicht herausbekommen. Es scheint eher über Verneinung definiert zu sein: Es bedeutet, dass Mama und Papa nicht vorlesen. Saskia nimmt das Buch selber in die Hände (und lässt jede Seite immer mal wieder fallen, oder das ganze Buch einfach auf ihr Gesicht (sie liegt auf dem Rücken dabei) sinken), und schaut es an.

Wenn sie gut drauf ist, zeigt sie irgendwelche Dinge in dem Buch, wenn sie richtig gut drauf ist, dann sagt sie auch irgend etwas dazu. Normalerweise aber schweigt sie einfach.

Die beste aller Ehefrauen und ich, wir haben unterschiedliche Strategien, wie wir damit umgehen. Erstere erzählt die Geschichte nach, ohne sie vorzulesen. Was durchaus auch spannend ist, und die Fantasie aller Beteiligten (denke ich) fordert.

Ich versuche an der Stelle, Saskia zu animieren, selber etwas zu erzählen. Oder wenigstens zu sagen. Ich frage sie, was sie auf dem Bild sieht, gebe Hinweise, führe ihren Finger, damit sie mir das zeigen kann … selten klappt es, dann bekomme ich einen auf dem Papier herum rutschenden Finger, und zum Beispiel ein „Baun“. Meistens aber schweigt sie weiter still vor sich hin.1

Einerseits ganz spannend – es ist ja der Ansatz von einem „Ich möchte das selber machen, nicht nur konsumieren“ – und das finde ich gut. Außerdem durchaus interessant – ich habe in vielen der Pixi-Bücher Dinge gesehen, die ich vorher gar nicht kannte, obwohl ich sie seit Monaten oder Jahren vorlese. Aber normalerweise konzentriere ich mich halt auf den Text, nicht auf die Bilder.

Andererseits anstrengend – die ständige Animation fordert auch von mir mehr Mitmachen :). Und es dauert länger – pro Buch sind es jetzt locker 10 bis 15 Minuten, was den Abend und den Morgen dann doch ein wenig in die Länge zieht …

Update: Und wenn ich das da drüben bei der besten aller Ehefrauen eher gelesen hätte, oder ab und zu einfach mal mit ihr reden würde (welch altmodisches Konzept!), dann hätten wir nicht beide einen Artikel zum gleichen Thema geschrieben …


1 Klar, laut vor sich hinschweigen ist ja auch viel schwieriger.

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3 Antworten zu Selbständiges Lesen

  1. Graugrüngelb schreibt:

    Ist doch aber immerhin nett, dass du mit anderen Worten inhaltlich das Gleiche schreibst. Und das mit der Kommunikation das üben wir einfach nochmal 😉 g,d&r

  2. Elisabeth schreibt:

    Einfach nett ist es bei Euch…..
    schönes Wochenende
    Elisabeth

  3. Pingback: Pädagogisches Lesen | Besser so als anders

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