Kleine Dinge

Die Steine beim inzwischen bis zum Überdruss erwähnten Eisenbahnspiel sind … nun ja, halt so kleine runde Steine. Technisch gesehen Zylinder, die mehr breit als hoch sind. Das Wesentliche: Sie müssen mit der flachen Seite auf/in das entsprechende Bild/Loch gelegt werden.

Als wir das Spiel heute mal wieder spielten, übte Saskia wieder mit großer Konzentration und Anstrengung den Pinzettengriff an diesen Steinen … Nun konnte es schon mal passieren, dass so ein Stein, den sie greifen will, nicht auf der flachen Seite liegt, sondern auf der Rundung1. Wenn das passierte, dann griff Saskia nicht etwa einfach zu, sondern legte den Stein erst wieder auf die flache Seite, um dann mit den Greifübungen fortzufahren …

Ich gebe zu, das verblüffte mich. Das ist ein Ausmaß an … zielgerichtetem Handeln, oder so, dass ich ihr irgendwie nicht zugetraut hätte2.

Verblüffung Nummer zwei: Während Saskia hochkonzentriert nach einem Stein griff, war nur dieser Stein in ihrem Blickfeld. Das einzige Loch für die fragliche Farbe war links oben, von ihr aus gesehen, sie hätte also mit der rechten Hand (ja doch, überraschenderweise benutzt sie bei diesem Spiel oft die rechte Hand, die auf Grund der Spastik eigentlich eher ein Schattendasein fristet) quer über das ganze Bild greifen müssen. Um die dabei zwangsläufig entstehenden Kollateralschäden zu vermeiden, hatte ich das Bild um 180 Grad gedreht, so dass das Loch direkt vor ihr lag. Als Saskia dann den Stein zu fassen bekommen hatte, schoss ihr Arm nach links oben – wo das Loch inzwischen nicht mehr war.

Ich gebe zu, auch das hat mich verblüfft – weil es bedeutet, dass Saskia einen zweistufigen Plan mit Zielvorgabe – „Da links oben muss der Stein hin, dazu muss ich ihn vorher aufnehmen“ – hatte, und insbesondere das Ziel während der langen Zeit, die sie mit ihrer Motorik gekämpft hat, nicht aus den Augen verloren hat.

Ja, das sind total kleine und auch irgendwie banale Dinge. Und doch sind es genau (auch) diese Dinge, die Kinder so faszinierend machen – diese Feststellung, dass da irgendeine neue Fähigkeit ist, von der man nur weiß, dass es sie früher nicht gab, aber nicht, seit wann sie eigentlich da ist …


1 jetzt hätte ich beinahe gesagtgeschrieben „auf der runden Seite“. Bei aller Liebe zu Wortspielen, das wär‘ dann vielleicht doch etwas viel gewesen …
2 Wie immer gilt: Der oder die erste, die sagt „Sach‘ ich doch!!!111elf!!, Du musst ihr viel mehr zutrauen, der wird … ach, ich weiß auch nicht.

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2 Antworten zu Kleine Dinge

  1. Hesting schreibt:

    Okay, dann schreib ich das, was Du nicht lesen willst, eben anders:
    So, wie Du es beschreibst, liest es sich so, als würdest Du einem Kind, von dem Du weißt, daß es vor zwei Jahren schon mal lesen konnte, einzelne Buchstaben nahebringen wollen. Würdest Du das für Dich selbst wollen, wenn Du das Kind wärst?

  2. Sommersprosse schreibt:

    Ich muß Dich enttäuschen. Ich hätte Saskia warscheinlich den Teil des noch Wissens wo der Stein hingehört (ohne nochmal zu gucken) auch nicht unbedingt zugetraut. Um so schöner ist es doch und ein breites Grinsen ziert mein Gesicht.(Keine 11 elf !) (und ja keine frechen Gedanken zu dem Wort: ziert)

    Liebe Grüße an Euch Drei
    Mutti

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