Verschenkte Lebenszeit

Schönes Wetter, Sonne, blauer Himmel. Wir kommen nach Hause, ich frage Saskia, ob wir ‚raus gehen wollen – sie bejaht. (Das macht sie eigentlich immer, sie fordert das auch oft selber ein. Bin ich in dem Alter auch freiwillig ‚raus? Ich glaube nicht. Von mir hat sie das also nicht!)

Nachdem wir uns (bzw. sie) mindestens eine halbe Stunde mit Ballspielen vergnügt haben, frage ich sie, ob wir nicht auch mal was anders spielen wollen – ins Haus gehen zum Beispiel. Das wird abgelehnt. Oh, Missverständnis! Nein, nicht in das große Haus, sondern in das kleine, das da auf der Wiese steht! Na gut, da bekomme ich dann auch Zustimmung …

Ich bringe sie also zum Haus (Krabbeln funktioniert nicht auf diese riesige Entfernung, immerhin eineinhalb Meter, oder so), setze sie an der Tür ab, und helfe ihr, hineinzukommen, indem ich die Knie leicht mit nach vorne schiebe beim Krabbeln, damit sie nicht wieder auf die Nase plumpst.

Anschließend setze ich mich mit einem Stuhl vor das Fenster des Häuschens, Saskia kniet drinnen, rupft Gras beziehungsweise Moos aus, und gibt es mir. Ich heuchele Begeisterung und sage „Danke!“. Dann fangen wir von vorne an. Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal … Irgendwann im Lauf der folgenden Viertelstunden lasse ich den Teil mit der Begeisterung, und bedanke mich nur noch für jedes Fitzelchen Gras. Reicht ja auch, wenn Saskia dabei begeistert ist – und das ist sie auf jeden Fall.

Wofür mache ich das eigentlich? Bringt mich das weiter im Leben? Könnte ich nicht irgendwelche weltbewegenden Probleme lösen in der Zeit, also, Weltfrieden schaffen und so? Statt mir das Gehirn zu erweichen durch ewig gleiche und unendlich anspruchslose Spiele? Bringt es Saskia wirklich weiter? Falls nicht: könnte ich wenigstens etwas tun, was, wenn schon nicht mich, dann doch wenigstens sie weiterbrächte?

Verschenkte Lebenszeit. In dunkleren Momenten als dem augenblicklichen würde ich sagen: Vergeudete.

Nicht jetzt. Jetzt sage ich: Verschenkte. Verschenkt an Saskia.

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3 Antworten zu Verschenkte Lebenszeit

  1. Muschelsucher schreibt:

    Und Saskia hat sie Dir geschenkt.
    Noch ist sie klein und omnipresent, aber es geht viel schneller, als Dir lieb ist, daß sie größer wird.
    Mein Bursche ist gestern nach einer Woche Klassenfahrt (Eselfarm) nach Hause gekommen. Kaum konnten wir etwas kuscheln und „erzählen“ mußte auch alles in die Wäsche, denn heute geht es mit der Lebenshilfe auf einen Ponyhof. Und wieder ist er weg.

    Er hat bei einer Befragung angegeben: Größter Wunsch – Sprechen können
    Liebste Beschäftigung: Reisen

    Liebe Grüße

  2. Elisabeth schreibt:

    Ich lass Dir liebe Grüsse hier und wünsch Euch einen schönen Sonntag
    Elisabeth

  3. Pingback: Abstrakte Wünsche | Besser so als anders

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