Ungewohnte Härte

Wo die ungewohnte Härte denn herkomme, wurde ich heute gefragt … Härte?

Wir saßen bei Freunden, hatten gegrillt, Saskia war mit Essen fertig, ich nicht. Saskia wollte aufstehen, durfte also in den nahen Sandkasten. Und hielt es dort nicht lange allein aus – wollte, dass ich mit hinein komme, wollte irgendwo anders hin (wo wir sie nicht mehr gesehen hätten), wollte alles Mögliche. Was ich ablehnte, und ihr dabei wiederholt erklärte, dass ich noch nicht fertig sei mit Essen, und sie bitte mal eine Weile alleine im Sandkasten spielen solle.

Sie brachte mich irgendwann mit einem Aufsteh-Versuch dazu, doch zu ihr zu gehen (bei etwas derart Wackligem in der Umgebung lauter harter Kanten lassen wir sie natürlich nicht einfach allein machen), ich setzte sie aber unmittelbar wieder auf dem Boden ab, sagte, sie möge sich eine Weile allein beschäftigen, und ging wieder zum Tisch. Was Saskia akzeptierte, und sich 10 Minuten etwas Eigenes suchte (nämlich das Sortieren herunter gefallener Blätter). Und an diesem Punkt fiel obige Frage.

Tja … die Antwort wäre wohl, dass ich, seit es Saskia so gut geht wie sehr sehr lange nicht mehr (das gilt, trotz der Myokonien, immer noch), auch mehr versuche, ihr nicht mehr jeden Wunsch anstandslos zu erfüllen. Es ist vermutlich eine Mischung aus erhöhtem Anspruch ihrerseits (wenn sie halb apathisch ist, ist das Beschäftigen mit ihr einfacher, als wenn sie die ganze Zeit durch die Gegen laufen will, was für den sie Haltenden sehr anstrengend ist) und dem Gefühl, dass es jetzt auch sinnvoll ist, sich so zu verhalten – weil sie es besser versteht und auch akzeptiert als früher.

Und so gebe ich mir eben deutlich mehr Mühe als früher, Saskia, die ein totales Papa-Kind ist, zu behandeln wie ein gesundes Kind – und meinen eigenen Freiraum von ihr einzufordern … Weil es notwendiger und erfolgversprechender ist als früher.

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9 Antworten zu Ungewohnte Härte

  1. mutterchaos schreibt:

    Ich finde diese „Härte“ sehr gut. Es gibt euch ein kleines Stückchen Normalität und jedem von euch vor allem ein Bisschen Unabhängigkeit. Lass dich da bloß nicht beirren. Du und Graugrüngelb, ihr könnt am besten einschätzen, was Saskia zuzutrauen ist und was ihr von ihr „verlangen“ könnt.
    Ich finde es gut, dass Ihr ihr das auch zugesteht!

  2. Ute schreibt:

    Also, wenn sowas Lapidares von anderen schon als relative Härte interpretiert wird, scheinst du in den Augen deines Umfeldes ja bisher komplett vereinnahmt gewesen zu sein… Langsam wundert mich, daß du nicht längst einen Burnout hast.

    • Nicht nur in den Augen meines Umfeldes, durchaus auch in meinen.

      Das zu wissen, und den Punkt zu finden (und hier im Blog gibt es „Dokumentationen“ einer derartiger Versuche), an denen man ein Kind, das entweder dauernd mit einem Spontan-Anfall umkippt (bis vor zwei Jahren), oder aber auf Grund motorischer Defizite kaum in der Lage ist, sich alleine zu beschäftigen, und das dann auf Grund jahrelanger Erfahrung, dass immer sofort jemand für sie da ist, dies als Normalzustand begreift – an denen man also ein solches Kind wirklich mal allein lassen kann – das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

  3. Brigitte schreibt:

    Cool, die neuen Möglichkeiten … das macht das Leben bunter für alle Beteiligten, auch für Saskia. Wenn das so bliebe und Saskia in die Schule kommt, was da wohl alles möglich wird. Aber was hilft das Hoffen. Es gibt einfach Dinge, die hat man nicht unter Kontrolle.

    Apropos Kontrolle. Vielleicht liebt Saskia das Sortieren deswegen so, weil es ihr das Gefühl der Kontrolle gibt. Weil sich in dieser Tätigkeit ihr Ich behauptet. Gegen Erfahrungen, die sie immer wieder überwältigen, ohne dass sie etwas dagegen tun kann. Anfälle usw. Die Blätter fügen sich ihr wenigstens widerstandslos!

    Es ist doch auch wirklich schön, dass der Mensch wenigstens ein paar Möglichkeiten hat, das Chaos zu lichten, und dass es Saskia gegeben ist, sich so daran zu erfreuen.

  4. vielesommersprossen schreibt:

    Ein Kind wie Saskia, was die meiste Zeit seines Lebens kaum Etwas bzw. Nichts alleine machen kann, setzt oder legt man als Eltern oder Großeltern nicht einfach ab, wenn nicht ein Anderer übernimmt. Das läßt das Gewissen nicht zu. Das ist sehr viel Nerven aufreibender, aber was solls.
    Wenn es also mal besser geht, kann und muß man es versuchen. Und an der Reaktion der Anderen in diesem Fall, merkst Du Ute, dass es also nicht leicht und selbstverständlich (lapidar) ist.
    Ich könnte noch einiges dazu schreiben, aber wie in jeder Angelegenheit, hat jeder seine Meinung und läßt sich meistens auch nicht umstimmen.

  5. Hesting schreibt:

    Kennen die Freunde Saskia?
    Ich finde Dein Verhalten angemessen. 🙂

  6. vielesommersprossen schreibt:

    Von „oben herab““ – steht mir nicht zu und ist auch nicht meine Art.
    Es gibt viele Situationen, die kann man eben als Außenstehender oder mit fehlendem Einfühlungsvermögen nicht beurteilen.
    Für mich damit Ende der Diskussion, die sonst wieder ellenlang wird.

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