Integrativer Rollstuhl

Saskia hilft ja gerne mal beim morgendlichen oder mittäglichen oder abendlichen Tischdecken. Schon früher, als sie noch laufen konnte, war das nicht immer ganz einfach, seit sie das nicht mehr kann, ist es logischerweise noch komplizierter geworden. Üblicherweise, wenn ich mir das „Kind torkelt in meinen Armen durch die Gegend und lässt die Hälfte fallen“ nicht geben will, setze ich sie in ihren Madita-Stuhl, rolle sie nah an den Tisch heran, und drücke ihr irgend etwas in die Hand, was sie im Rahmen der beschränkten Reichweite ihrer Arme auf dem Tisch verteilen darf. Und das nennen wir dann „helfen“.

Heute haben wir eine neue Variante ausprobiert: Saskia wollt kurz vor dem Essen in ihren Rollstuhl (das will sie ja gerne mal, den mag sie), also habe ich sie damit in die Küche geschoben, sie hat sich die bereit gestellten Dinge von der Arbeitsfläche genommen, damit sind wir zum Tisch gefahren, wo sie die Sachen wieder verteilt hat.

So entspannt war es für mich schon lange nicht mehr, mir von ihr „helfen“ zu lassen.

Ich hatte an dieser Stelle eine kleine Offenbarung (nein nein, nix Religiöses – nennen wir es einfach „Aha-Erlebnis“) bezüglich der Bedeutung des Wortes „integrativ“: Es bedeutet eben auch, dass einem ermöglicht wird, auf zugegeben eventuell unorthodoxe Weise am normalen Leben teilzunehmen – eben: sich zu integrieren.

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4 Antworten zu Integrativer Rollstuhl

  1. Muschelsucher schreibt:

    Klingt super.

    Liebe Grüße

  2. Hesting schreibt:

    Finde ich auch. 🙂

  3. Elisabeth schreibt:

    Das klingt echt gut, es verändert sich grad was ins positive, oder?
    liebe Grüsse
    Elisabeth

    • Naja … es geht Saskia nach wie vor sehr gut, aber das mit den Myoklonien nimm gerade wieder ein bisschen Ausmaße an. Und es wirkt sich leider auch wieder auf die Motorik aus, habe ich den Eindruck – heute ist die das erste Mal wieder auf die Nase gefallen bei irgendeiner Bewegung auf dem Fußboden, weil der Körper irgendwie unkontrolliert kippte. Das macht mir Sorgen …

      Liebe Grüße
      ‚Locke‘

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