Schwieriges Essen

Früher fürchtete ich, dass wir irgendwann Saskias Essen pürieren müssen, weil sie es gern (?) in ungekautem Zustand herunter- und sich daran verschluckt.

Wie naiv. Heute weiß ich, dass wir es ihr bald alles pürieren müssen, weil sie „normales“ Essen schlecht und vielleicht irgendwann gar nicht mehr schluckt.

Essen mit Saskia ist zur Zeit ein Krampf. (Oh. Vielleicht ist das die falsche Mettaffer™ bei einem Kind mit Epilepsie.) Gekaut wird schon lange nicht mehr, sondern nur noch zwischen Gaumen und Zunge zerdrückt, bzw. mit genügend Speichel aufgeweicht, und dann irgendwann geschluckt. Das ist in letzter Zeit zunehmend schlimmer geworden: Wo früher noch halbwegs einem Kauvorgang ähnliche Bewegungen waren, gibt heute nur noch ein laues Auf- und Ab-Bewegen des Unterkiefers. Irgendwelcher Druck auf die am Gaumen klebende Nahrung – genug Zungenkontrolle, sie von dort wegzubekommen, hat Saskia schon seit Jahren nicht mehr (falls sie sie jemals hatte – wer achtet bei seinem Kind schon auf etwas so Banales?) – wird dadurch natürlich nicht ausgeübt, so dass mit dem Zerdrücken schon mal nichts wird.

Bleibt noch Aufweichen. Da hat Saskia bei der Menge des ihr zur Verfügung stehenden Speichels zwar prinzipiell gute Karten, aber auf Grund ihres Haltungsproblems, verbunden mit der zunehmend stabiler werdenden Angewohnheit, beim „Kauen“ den Mund nicht zu schließen, landet ein guter Teil des Essens einfach wieder auf dem Tisch vor ihr.

Bleibt also, ihr den Mund zuzuhalten beim Essen. Nicht wirklich spaßig, vermutlich für keinen von uns.

Oder ihr den Kopf nach hinten anzulehnen. Aber abgesehen von dem schmerzenden Anblick der leer in die Luft starrenden Augen: In (bzw. nach) den Sekunden, in denen dann doch mal wieder Leben zurückkehrt, fällt der Kopf unweigerlich wieder nach vorn.

Wie wäre es mit einem Stirnband zum Festbinden des Kopfes? Hmm, vielleicht mag ich die tägliche Assoziation eines elektrischen Stuhls dann doch nicht so.

Also doch: Pürieren, mit Flüssigkeit versetzen, damit es nicht so am Gaumen kleben kann, Kopf nach oben, Löffel in den Mund, leer wieder ‚raus ziehen, Mund zuhalten, schlucken lassen, Kopf wieder fallen lassen.

Oder? Verdammte Scheiße.

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2 Antworten zu Schwieriges Essen

  1. Elisabeth schreibt:

    Ist das nun alles schlimmer durch diese OP, oder das ganz neue Alltagsleben in der Schule? Wenn man es nur wüsste, so hört sich alles traurig und erschreckend an.
    liebe Grüsse,
    Elisabeth

    • Wer weiß das schon. Prinzipiell begleitet uns das ja schon lange, dass Saskia schrittweise Fähigkeiten verliert. Hier ein bisschen, dort ein wenig …
      Eigentlich denke ich, dass Dinge wie Schule oder VNS oder was-auch-immer nicht die direkte Ursache sind, sondern einfach das permanente, jahrelange Unter-Strom-Stehen des Gehirns. Das wird halt mal besser und mal schlechter, aber solange wir das nicht ernsthaft in den Griff bekommen …

      Liebe Grüße
      ‚Locke‘

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