Kommmender Freiheitsverlust

Wir waren heute ein wenig Busfahren, auf Saskias Wunsch hin. Das sieht in guten Zeiten so aus, dass wir den Rollstuhl irgendwo in den Bus stellen, und uns zwei Plätze suchen – idealerweise nicht hinter anderen Sitzen, sondern hinter einem freien Bereich, denn dort gibt es waagerechte Haltestangen. Und den Rest der Fahrt turnt Saskia dort herum, zeigt mir Bäume und Blumen und Elefanten1 und …

Das war mal wieder so ein Punkt, wo ich mich fragte, wie lange das noch geht. Spätestens wenn Saskia irgendwann doppelt so schwer und eineinhalb mal so groß ist wie jetzt, kann ich ihre Motorik und Kraft nicht mehr unter Kontrolle halten. Und das bedeutet zwangsläufig, dass sie viel mehr Zeit im Rollstuhl (oder sonstwie mechanisch gesichert) verbringen muss.

Und das macht mir Angst, weil es ihr Freiheit nehmen wird.

Auf dem Rückweg fuhren eine Frau und ihr vielleicht 15-jähriger Sohn mit uns – er im Rollstuhl, in dem er die ganze Zeit saß (wobei er irgendwann ganz vertieft darin war, einen Stoff-Cthulhu2 von einer Hand in die andere zu werfen). Sie fand sogar die Zeit und Muße, in einem Buch zu lesen.

Mein Gott3, wie ein Teil von mir sie um diese Muße beneidete! Mit Saskia wäre das völlig unmöglich. Andererseits, wenn Saskia irgendwann selber mit so einem Zustand zufrieden wäre, wäre das doch auch ein Verlust, oder? Würde sie das selber so empfinden? Oder bedeutet „zufrieden“ nicht auch … „zufrieden“, und alles wäre gut?

Oder wäre sie nicht zufrieden, sondern würde, wenn sie größere Teile des Tages im Rollstuhl verbringt (verbringen muss!) abschalten und apathisch werden – ein Eindruck, den wir ja heute schon manchmal haben …?

Fragen über Fragen, und keine schönen Antworten.


1saisonabhängig – dafür braucht man ein Zirkusplakat
2Habs nicht genau erkannt – irgendwas mit vielen Stoff-Tentakeln halt
3Nur so ’ne Redewendung – alles ist gut, ich bin immer noch überzeugter Atheist.

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3 Antworten zu Kommmender Freiheitsverlust

  1. Muschelsucher schreibt:

    Ach, mach Dir um die Zukunft nicht so viele Sorgen, sondern meistere dann, wenn sie wirklich auf Dich zukommen.

    Vieles verläuft im Sande, wovor man Angst hat. Anderes kommt nach.

    Ich war immer der Meinung, mein Sohn könne nie eine normale Pubertät auseleben, werde nie eine Freundin haben. Und jetzt ist eher das Problem nicht zu schnell zur Oma zu werden 😉

    Aber immer mit wachen Augen durch die Welt gehen, damit Ihr die beste Lösung immer zum richtigen Zeitpunkt für Euch findet.

    Liebe Grüße

  2. vreni schreibt:

    Bei uns heisst es: Niemand bezahlt ungestellte Rechnungen auch nicht in Gedanken…….. Ich hoffe für euch alle, dass es nicht so kommt, aber die Sorgen verstehe ich schon.
    Ich lese still mit

    vreni

  3. Elisabeth schreibt:

    Die Gedanken kann ich schon verstehen, es ist ja überhaupt nicht einfach.
    ich wünsche Euch eine gute Woche,
    Elisabeth

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