Ersetztes Lachen

Wenn ich mal so rekapituliere, was wir gestern mit Saskia gespielt haben, dann komme ich auf

  • ca. 15 Minuten geangelt
  • ca. 20 Minuten gemalt
  • ca. 1 Stunde kleine Bilder (diese da) von einer Bratpfanne in die andere geschüttet. Genauer: Jemand legt Saskia ein Bild in die eine Pfanne, sie schüttet es in die in der anderen Hand gehaltene andere Pfanne.
  • ca. 2 Stunden irgendwelche Spielzeugteile aus der großen Kiste zum Thema „Essen“ (also Nahrungsmittel, Teller, Tassen, etc.) in eine Tüte gepackt. Genauer: Jemand legt ein solches Teil vor Saskia hin, sie nimmt es, und legt/wirft es in eine bereit stehende Geschenktüte.

(Der Rest des Tages ging im Wesentlichen dafür drauf, die Omas zum Bahnhof zu bringen, deswegen addieren sich die obigen Zeiten zu einer für einen freien Tag recht kleinen Zahl.)

Eine Gemeinsamkeit der beiden letztgenannten Spiele, neben der Stupidität :-?, ist, dass Saskia dabei üblicherweise so begeistert ist, dass sie hingebungsvoll stöhnt. Handbewegung, Stöhnen. Handbewegung, Stöhnen. Nun ist das nicht wirklich etwas Neues, in ihrem allgemeinen schleichenden Übergang vom Sprechen zum Lautieren kommt so etwas schon lange vor. (Nicht, dass es das besser macht …)

Aber was mich irritiert, mich traurig und mir Sorgen macht, ist zum Einen der Anteil dieser Art Spiele. Wenn ich gestern Saskia nicht irgendwann gebremst und ihr andere Dinge „vorgeschlagen“ hätte, dann wäre die Liste da oben noch kürzer, und wir hätten den ganzen Tag nur diese zutiefst … enervierenden Spiele gespielt. Darin kann sie sich im Wortsinn stundenlang verlieren.

Und zum Anderen: Es tut weh, dieses Stöhnen. Das eigene Kind, das seine Freude nicht durch Lachen oder Sprechen zum Ausdruck bringt, sondern durch unartikuliertes Stöhnen … das schmerzt. Ganz gewaltig.

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6 Antworten zu Ersetztes Lachen

  1. Yvi schreibt:

    Hallo, ich bin relativ neu hier und habe schon einige Stunden zurück gelesen. Auch die Videos und Bilder habe ich – denke ich – ziemlich alle gesehen.
    Auf einem sieht man auch das Stöhnen deutlich, bzw. man hört es. Ich kenne euch ja nicht und trotzdem tut es irgendwie weh. Meinen Respekt, dass ihr damit so gut umgeht. Wahrscheinlich bleibt einem aber auch nicht viel.
    Aber warum stöhnt sie anstatt zu lachen? Ich hoffe, das ist ok, dass ich so direkte Fragen stelle? Nun wird es wohl so sein, dass sie lachen nicht (mehr) kann. Aber kleine Kinder lachen und weinen doch sehr früh? Das kann doch kein reiner Entwicklungsrückschritt sein?
    Weint sie denn, wenn es ihr schlecht geht?
    Wie ist denn eigentlich die Prognose. Man ließt immer nur, dass sie vieles verlernt, es ihr schlecht geht. Ich stelle mir das schlimm vor. Der Mensch ist ja auf „Entwickeln“, Fördern, Verbessern gepolt und jeder kleine Fortschritt macht einen glücklich, jeder Rückschritt schmerzt. Gibt es die Chance, dass es besser wird? Dass sich das Gehirn „sortiert“ und erholt, wenn die richtige Therapie gefunden, bzw. die Anfälle seltener sind?
    Ich hoffe, die Frage ist ok. Konnte dazu noch nichts finden.

    Grüße und Respekt an euch drei.

    • Lachen kann sie durchaus noch – erst gestern in der Badewanne, als eine ihrer Puppen mit einem düsteren „Huuuuuuh!“ ihren Kopf aus einem Schaumberg steckte, hat sie das wieder unter Beweis gestellt :). Es ist halt nur – an manchen Stellen werden Freude und Begeisterung eben durch Stöhnen artikuliert. Unter anderem, wenn gesungen wird, und sie dazu klatscht – damit hat sie mir vorhin im Bad den letzten abendlichen Nerv geraubt …

      Ja, weinen kann sie auch – auch das hat sie heute bei einem kleinen Unfall gezeigt 😕

      Prognose? Tja … das ist eine Frage der Hoffnung, die man sich gestattet. Wie hier an diversen Stellen zu lesen ist, habe ich selber nicht wirklich welche, dass sich das irgendwann weder einrenkt. Über die Implikationen dieser Aussage denke ich lieber nicht allzu oft und ausführlich nach.

      Theoretisch, wenn wir die Anfälle in den Griff bekommen, solange das Gehirn noch in der Entwicklung ist, kann man da sicher noch was erreichen. Das ist aber aller bisherigen Erfahrung nach ein verdammt großes „Wenn“ (genauer: ein „Falls“).

      Viele Grüße
      ‚Locke‘

  2. Elisabeth schreibt:

    Der Post und auch Yvi’s Fragen machen mich so nachdenklich.
    Ich lass Euch liebe Grüsse hier.

  3. Brigitte schreibt:

    Ich glaube, sie stöhnt, weil sie einfach innerlich angespannt ist, zutiefst konzentriert. Die innere Anspannung braucht ein Ventil. So wie bei Monika Seles früher beim Tennis. Aber das hat ja auch nicht schlecht genervt …

    Spielen, das ist ja etwas Magisches, etwas sehr Bedeutendes, sehr Archetypisches. Kinder lernen, Struktur in die Welt zu bringen, sie erfahren sich als mächtig, als jemand, der Dinge bewegen und ordnen kann, ganz nach Belieben. Und auch Wiederholungen sind ja für alle Kinder sehr wichtig.

    Leider bleibt Saskia wegen der Krankheit in den Grundstrukturen gefangen, und ich würde ihr so sehr mehr Freiheit wünschen. Trotzdem imponiert mir die Freude, die sie dabei hat, ich kann mich auch in sie hineinversetzen. Ich glaube, es ist eine sehr tiefe Freude.

    Überhaupt, sie hat Lebensfreude, auf ihre Art. Sie hat eine andere Perspektive, da spielen andere Dinge eine Rolle. Aber die wirken mächtig auf sie, und sie kann sie genießen. Auch, weil sie ein geborgenes Kind ist, das liebevoll umsorgt wird.

    Ich wünsche mir natürlich trotzdem so sehr, dass die Krankheit nachlässt.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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