Keine Idee

Heute war wohl mal wieder ein Tag, den man komplett vergessen konnte. Inklusive einer zweistelligen Anzahl hässlicher tonischer Anfälle, einer Dosis Buccolam (wobei man sich wieder des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass es dadurch eher schlimmer, zumindest aber nicht besser wurde – das Thema „Buccolam als Notfallmedikament“ haken wir nach dem dritten derartigen Vorfall dann wohl ab), und ganz vielen Armzuckungen über den ganzen Tag (keine Myoklonien, keine „richtigen“ tonischen Anfälle – irgendwas dazwischen).

„Sie gehen davon aus, dass Saskia in der nahen Zukunft erst mal nicht mit dem Fahrdienst gefahren werden kann.“ sagte die beste aller Ehefrauen. „Sie“, das sind Lehrerin und Erzieherin aus Saskias Klasse.

Das kann ich sogar verstehen. Ich hatte Saskia aus der Schule abgeholt (das hatten wir nach den gestrigen Erfahrungen schon heute früh so geplant), und selbst mir, der ich Saskias Anfällen gegenüber inzwischen recht … entspannt bin – es ist halt, wie es ist, und machen kann man da eh‘ nix, und es ist ja danach auch wieder vorbei -, war die Heimfahrt zuviel des Schlechten. Was Saskia da im Halbschlaf hinten im Fond vor sich hin zuckte, das war nicht mehr feierlich. Es ließ mich überlegen, ob wir unsere Haltung „Krankenhaus hat eh‘ keinen Sinn, denn außer einer Rosskur mit ungewissen Erfolgsaussichten fällt denen ja eh‘ nix ein“ nicht doch schleunigst ändern sollten. Und wenn ich das danke, dann ist es schon ziemlich schlimm – aber genau das war es eben auch.

Während der Fahrt hatte ich noch geplant, Saskia zu Hause unmittelbar Diazepam zu geben. (Auch das ein schlechtes Zeichen – ich bin normalerweise sehr spät damit zur Hand.) Zum Glück zeigte Saskia dann beim Aussteigen aus dem Auto plötzlich doch Anzeichen von Leben, die sich von bloßen Zuckungen unterschieden. Und wenige Minuten, nachdem wir im Haus waren, klingelten L. und ihre Eltern – den Termin hatte ich ganz vergessen. Und da L. und Saskia sich schon immer ganz doll lieb hatten – auch heute gab es wieder viele schöne Szenen mit den beiden -, wurde Saskia dann endgültig lebendig – und drückte sich damit erfolgreich vor der Tube Diazepam.

Tja. Ich weiß nicht, was wir mit ihr machen sollen. Von Tag zu Tag kommen, ab und zu ein Notfallmedikament, und hoffen, dass es vorbei geht, wie sonst auch immer.

Ich mag nicht zum Arzt laufen und sagen „Machen Sie was!!!11elf“. Das hat noch nie geklappt. Aber ich mag auch nicht mit ansehen, wie es Saskia derartig schlecht.

Okay, für die Fahrt zur Schule müssen wir jetzt also schnellstmöglich eine qualifizierte Begleitung beantragen – eine Weile können wir das selber stemmen, aber auf Dauer funktioniert es nicht.

Und für beziehungsweise gegen die Anfälle nehmen wir … wie wär’s mit Hoffnung? Eine andere Idee hab‘ ich nicht.

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3 Antworten zu Keine Idee

  1. Muschelsucher schreibt:

    Puh wie gerne würde ich etwas anderes schreiben, als das, was ich auf solche Postings immer schreibe. Ich schicke Mitleiden (Mitleid ist das falsche, ja fast herablassende Wort, aber ich weiß, wie man leidet, wenn das Kind leidet, daher leide ich mit Euch mit). Ich würde gerne Hoffnung schicken, weiß aber, daß es mit drögen Worten über das Netz kaum geht.
    Ich weiß auch, daß Ihr beide auch lieber etwas anderes schreiben würdet. Lieber verkünden würdet, wie toll VNS (der die das?) wirkt und wie schön die Entwicklung voranschreitet.

    Von solchen Dingen wie erstes Diktat oder Lesewettbewerb gewonnen hat man sich ja in der Regel mit Einschulung schon verabschiedet, dennoch tut der Gedanke daran auch nach vielen Jahren immer noch weh.

    Aber wie unwichtig ist das alles im Vergleich zu solchen Anfällen, denen man hilflos zusehen muß.

    Liebe Grüße

  2. Sommersprosse schreibt:

    Ich fange doch auch nochmal damit an. Seit es ihr wieder so schlecht geht, habe ich auch den Gedanken an Krankenhaus. Vielleicht müßt Ihr denen wirklich immer wieder zeigen, wie schlimm es ist, einfach auch sagen, wir k ö n n e n und wo l l e n DAS nicht mehr alleine verantworten. Es ist ein Aufwand, aber Ihr müßt Euch vielleicht nicht mal irgendwann Vorwürfe machen.

    Ganz liebe Grüße
    Oma (Mutti, Trautel)

  3. Pingback: Zuständigkeiten | Graugrüngelb

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