Verbrachte Zeit

Wir haben – zum hundertsten Mal in den vergangenen Tagen – alle Puzzle-Teile in die Tüte gepackt. Im Gegensatz zu den 99 anderen Gelegenheiten aber greift Saskia die Tüte an den Henkeln, erhebt sich (lies: kommt aus dem Zwischenfersensitz hoch, so dass sie aufrecht kniet), und zeigt auf die Tür. Hmm?

5 Minuten später haben wir es laufend bis zum Flur geschafft, in dem der Rollstuhl steht. Saskia zeigt auf den Rollstuhl, dann auf die Tür. „Möchtest Du raus?“ – „Ja“. Okay, offensichtlich haben nicht nur die beste aller Ehefrauen und Oma und ich die Nase voll von den 3 bis 4 immer gleichen Spielen, die wir den ganzen Tag lang spielen.

Ich packe Saskia also ein, und wie gehen raus. Dort dirigiert Saskia mich zum Parkplatz mit dem Auto, und zeigt auf dieses. Ehm … wieder umdrehen, Autoschlüssel holen. Dann biete ich Saskia den Fahrerplatz an – das machen wir ab und zu: Sie sitzt dort, spielt an den Armaturen ‚rum, ich sitze neben ihr und fange sie und ihre Hände an den entscheidenden Stellen ab. Auf jeden Fall hat sie ihren Spaß dabei.

Heute jedoch wird der Fahrersitz abgelehnt – Saskia zeigt auf ihren Sitz in der zweiten Reihe. Und das ist nun wirklich ungewöhnlich, freiwillig geht sie da normalerweise nicht ‚rein. Auch nicht wirklich unwillig, aber wenn es überhaupt Diskussionen über die Sitzordnung gibt, dann müssen wir ihr immer erklären, dass das da hinten ihr Sitz ist, sie nicht während des Fahrens vorne sitzen kann, etc. pp.

Eine langwierige Konversation später sitzt Saskia in ihrem Sitz, und ich im Fahrersitz, und wir fahren los. Das zumindest habe ich verstanden, Saskia wollte Auto fahren – auch wenn ich immer noch nicht weiß, wohin eigentlich.

Die nächste halbe Stunde verbringen wir (ja, ich schäme mich ein wenig des Ökoferkels in mir) im Schritttempo in den Nebenstraßen, und ich weise Saskia auf jeden irgendwie leuchtenden Vorgarten oder Hauseingang oder … hin. Saskia scheint das alles zwar interessiert, aber schweigend zur Kenntnis zu nehmen. Und bejaht dann meine Frage nach dem Nach-Hause-Fahren.

Okay, drehen wir um. Sie hatte ihren Willen, ich hatte ein neues „Spiel“, und beide hatten wir 45 Minuten verbrachte Zeit 😕


Noch ist es vielleicht nicht zu spät, meiner geneigten sowie auch meiner aufrechten Leserschaft ein schönes gewesenes Weihnachtsfest zu wünschen – ich hoffe, Ihr habt es ruhig und entspannt im Kreis Eurer Liebsten verbracht.

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3 Antworten zu Verbrachte Zeit

  1. Roland schreibt:

    Hallo Ihr lieben Nordlichter,
    auch wenn es nicht den Anschein hat, doch, ich habe jeden Deiner Bloggs gelesen. Jeden. Manchmal ist mir die Spucke im Mund eingetrocknet, manchmal wurden die Augen feucht. Es gab aber auch lichtere Momente über die wir uns sehr gefreut haben. So auch über deinen heutigen Artikel. Eine Frage stellte ich mir immer wieder: Was haben wir eigentlich für Sorgen und Nöte?

    Also.
    Auch von uns, vom anderen Ende des großen Flusses, einen ganz herzlichen Weihnachtsgruß an Euch. Klaro, unsere Kinnings sind vollzählig zur Stelle wenn es Geschenke gibt. Das klappt ganz zuverlässig.
    Seid ganz lieb gegrüßt von Pero + Big-Kids
    aus der wahrscheinlich schönsten Stadt der Welt

  2. Hesting schreibt:

    Ich hab vorhin das Fest mit dem „Hobbit“ ausklingen lassen, nachdem ich vorher schwer bepackt mit gefühlten tausend Geschenken Zug gefahren bin. Entspannt waren die drei Tage in Dresden nur teilweise, Gans gab’s auch nicht ;), das Zusammensein war aber nett und darauf kommt es ja an …

    Ich schätze, Saskia und Du, ihr müßt noch an Eurer Kommunikation arbeiten. (Lernt sie eigentlich in der Schule, mit PECS umzugehen? Zeit wär’s ja irgendwie …)
    Ich nehme die Episode aber mal als Indiz, daß es ihr momentan sehr gut geht.

    • Vreni schreibt:

      Hallo
      Ich lese auch jeden Eintrag mit und kann es manchmal nicht fassen. wie traurig das alles ist. Umsomehr freut es mich wenn Saskia Initiative zeigt, sich auf eine zwar manchmal ungewöhnliche Art äussert, das zeigt doch vieles und ermutigt hoffentlich euch, bei all den immer wiederkehrenden Rückschlägen.

      Ich wünsche allen ein gutes 2013 mit gaaanz vielen positiven Erlebnissen
      vreni

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