Püriertes Essen

Elternabend in der Schule. Das gibt uns die Gelegenheit, mal in Ruhe über ein paar Dinge zu reden, ohne Saskia, dafür mit Zeit. Schön.

Als wir Saskias Förderplan im Detail durchgehen, kommt da der Punkt „Förderung der Motorik durch Greifübungen etc.“ vor. Oh, spannend!

Aktuell kämpfen wir ja gerade beim Essen damit, dass Saskia sich irgendwie angewöhnt hat, ihre Brotstückchen (oder anderes) mit der gesamten flachen Hand zu greifen und zu umschließen, und sie dann irgendwie in den Mund zu befördern. Das sieht nicht nur unschön aus, wenn jemand sich mit der ganzen Handfläche Essen in den Mund schiebt, das gibt auch viel Gematsche, und oft auch Verluste. Also bitten wir Saskia, doch die Stückchen mit zwei oder drei Fingern zu nehmen, und sie damit in den Mund zu stecken. Es gibt sogar Erfolge, Saskia macht das teilweise wieder von allein …

Und jetzt also Greifübungen – hey, da frage ich doch gleich mal, wie sie das in der Schule an dieser Stelle machen, und ob sie da auch drauf achten.

„Wir pürieren das Essen. Das hat ja das Pflegekompetenzteam so empfohlen.“

Ehm. Ja, ich erinnere mich, es gab da mal, als es Saskia sehr schlecht ging, solche Ideen. Aber machen sie das immer noch?! Scheinbar ja …

Aber … wartet mal … Mittagessen, okay. Aber wir reden hier doch nur vom Mittagessen, oder?

„Oder pürieren Sie auch das Frühstück?“

„Ja!“

!?!? What the fuck!?!?

Ich schmiere Saskia jeden Morgen liebevoll Brot, lasse sie oft ihren Belag auswählen, packe ihr das in die Brotdose … und in der Schule wird das püriert?! Brot? Püriert?!

Ich werde gar nicht mehr. Brot? Püriert?! Geht es noch?

Vorhin haben wir es nur noch geschafft, unsere … Unzufriedenheit darüber auszudrücken. Meine Frage, mit wem ich das diskutieren muss, wurde leider nicht so recht beantwortet – das käme ja vom Pflegekompetenzteam …

Die beste aller Ehefrauen wies noch darauf hin, dass das ja kontroproduktiv sei – wir versuchen, Saskia ordentliches Kauen beizubringen, und in der Schule bekommt sie alles in Breiform – das ist ja irgendwie nicht sehr hilfreich.

Am 11.2. haben wir einen (anderen) Termin, an dem auch eine Vertreterin dieses „Kompetenz“teams dabei ist. Spätestens da werden wir das ansprechen. Aber je länger ich darüber nachdenke – Brot? Püriert?! -, um so mehr denke ich, dass ich nicht so lange warten will. Das muss geändert werden, besser gestern als morgen!

Ich meine, ein ganz klein wenig kann ich die Befürchtungen – Saskia kaut schlecht, also verschluckt sie sich vielleicht – verstehen. Aber hey, da sind 6 Kinder in der Klasse, 3 noch deutlich abwesender als Saskia in ihren schlechten Zeiten, dazu zwei Pflegekräfte für drei der Kinder, plus eine Lehrerin, plus eine Erzieherin, plus eine FSJlerin – und da fühlen sie sich nicht in der Lage, darauf zu achten, dass Saskia kleine Stücke abbeißt und halbwegs ordentlich kaut? Und/oder ihr die Stücke entsprechend zu schneiden?

5 Erwachsene, auf 6 Kinder, und unserem Kind wird das Brot püriert?!?!

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11 Antworten zu Püriertes Essen

  1. Pingback: Elterngespräch | Graugrüngelb

  2. Hesting schreibt:

    Vermutlich machen sie das einfach für alle Kinder in einem „Aufwasch“ …

    Bin auch n bisschen überrascht …

    • Graugrüngelb schreibt:

      4 von 6 Kindern haben eine Magensonde und ohnehin ihre Spezialnahrung. Das Argument zieht also nicht.

      • Hesting schreibt:

        Okay, ich bleib trotzdem dabei, dass es wohl bequemer ist als „tausend“ Extras. Riecht mir nach ner Direktive von oben. Überlegt Euch schon mal Argumente für den Fall, dass sie mit etwas der Art „das ham wir schon immer so gemacht“ kommen.

        Das „Downgraden“ in der Pflegequalität kennt man ja von Alzheimerpatienten. Schlimm, dass das bei Kindern genauso ist.

  3. Andrea schreibt:

    Toastbrot mit Nutella püriert – die kleine E. im Kindergarten frühstückt das gerne. Sie kann allerdings wirklich nur püriert schlucken. Das ist also eine ganz andere Situation.

    Mach das mal spaßenshalber – sowas Ekeliges hast Du noch nicht gesehen !

    • Graugrüngelb schreibt:

      ‚Gesehen‘ ist auch so ein Punkt. Ich mag mir das lieber nicht bildlich vorstellen. Wir machen zwar keinen besonderen Aufstand mit Gemüseschnitzereien in der Brotdose oder ähnlichem, aber man macht sich schon Gedanken, was man mitgibt und wie man es verpackt, damit es frisch bleibt und in vernünftigem Zustand ankommt.

      In den letzten Tagen stand ein paar Mal im Heft, Saskia hätte nicht gut gegessen – teilweise „nur eine halbe Portion“, was für sie ungewöhnlich ist. Aber jeden Tag irgendwelchen Matsch würde ich auch nicht wollen – das Auge isst ja schließlich mit. Nein, ich werd damit nicht wirklich fertig.

      • Hesting schreibt:

        Ist Saskia nicht auch bei Euch bei Breien eher eine schlechte Esserin? Mich ängstigt eher der Gedanke an Haptik und Geschmack des pürierten Zeugs – dass es unbekannt aussieht, spielt aber vermutlich auch eine Rolle, das stimmt.

        • Ob sie bei Breien eine schlechte Esserin ist, weiß ich nicht – wir geben ihr ganz selten welche :-?.
          Und ja, Haptik und Geschmack … ich würde auch nicht dauernd püriertes Essen wollen, genau deswegen. Ich mein‘, ich schmier‘ ihr jeden Morgen zwei Scheiben Brot, so mit Frischkäse und Leberwurst, oder Käse und Schinken, oder … und das wird zu einem unansehnlichen, trockenen Matsch verrührt?

  4. Muschelsucher schreibt:

    In der Reha bekam ein Kind immer Schwarzbrot mit Frischkäse und Honig pürriert – grauenvoll sah das aus.

    Aber abgesehen davon kenn ich das auch, daß dann dem Kind an einer Stelle (aus Bequemlichkeit und der Notwendigkeit des Alltags gezollt) die Hand vor den Hintern gehalten wird, wenn man zu Hause darum kämpft, daß er das alleine macht.

    Und mein Sohn kann sich dann auch ganz dumm stellen, damit er – klug wie er ist – sich diese Bequemlichkeit erhalten kann 😦

    Da helfen nur regelmäßige Gespräche. Dennoch ist es so, daß ich gerade nach 12 Jahren, die ich ein Kind in verschiedenen Einrichtungen habe, der Schule mitgeteilt habe, daß ich bei dem Begriff Förderplangespräch nur das kalte Grausen kriege und mir nicht sicher sei, ob ich die die Floskel aus der Phrasendreschmaschine: „Wir holen das Kind da ab, wo es steht“ nochmals hören kann, ohne Amok zu laufen. Zu oft ist es mir so gegangen, wie Du es beschrieben hast. Nach so vielen Jahren bin ich da komplett desillusioniert. Ertrage aber auch leere Wortülsen aus dem Sozpäd und Sopäd Bereich nicht mehr, ohne die Wut aufsteigen zu fühlen.

    Liebe Grüße

  5. Pingback: Irritierender Besuch | Besser so als anders

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