Verzichtbares Ritual

Die Bockigkeit beim Essen hat Saskia sich leider immer noch nicht abgewöhnt. Neuerdings greift sie auch auf das Abendessen über. Und, was das Ganze noch schlimmer macht: Sie hat den Trick raus, wie sie die Medikamente wieder aus dem Mund heraus befördert. Als sie mit der Zickigkeit anfing, konnte ich ihr noch den Obstbrei mit den Medikamenten in den Mund befördern, und sie hat ihn instinktiv geschluckt. Inzwischen hat sie spitzgekriegt, dass und wie man das Zeug mit der Zunge wieder loswird …

Als wir heute Abend das Haus ver- und Saskia ihrer Sitterin überlassen, und ihr vorher noch ihre Medizin geben wollten, da fing sie auch an zu bocken. Wie immer eigentlich völlig unmotiviert, und völlig unverständlich. Es half kein Bitten, es half kein Erklären, es half kein Bespaßen, es half kein Appell an den Stolz („Zeig mal, wie weit Du Deinen Mund aufbekommst!“). Es half auch nichts, ihr die Medizin gegen ihren Willen geben zu wollen (Tut mir leid, aber ohne diese Medizin könnte das eine verdammt schlechte Nacht, und ein ebensolcher Tag, werden. Was muss, das muss. Spass macht das keinem von uns, am allerwenigsten Saskia.)

Nach einer halben Stunde – wir hätten schon lange weg sein wollen/müssen – habe ich Saskia vor die Wahl gestellt, die Medizin zu nehmen und anschließend mit M. noch zu spielen sowie später zu essen, oder unmittelbar ins Bad und ins Bett zu gehen. Wie immer an solchen Stellen bekam ich keinerlei Reaktion darauf, egal was ich sagte oder fragte, oder wie einfach und deutlich ich das formulierte. Also waren wir ein paar Minuten später wirklich im Bad. Dort erzählte Saskia zwar dann ein paarmal etwas von „piele“, war aber auch diesmal nicht bereit, dafür irgend etwas zu schlucken. Woraufhin ich den Tag für endgültig gelaufen erklärte, selbst wenn sie es sich jetzt noch anders überlegen würde.

Die schweigsame Zickigkeit setzte sich im Bett fort, wir schafften es immerhin, dass sie wenigstens mit der besten aller Ehefrauen noch ein Buch las (eigentlich gehören zwei Bücher zum Abendritual, eines mit jedem von uns beiden).

In der dann folgenden halben Stunde – die beste aller Ehefrauen hatte inzwischen das Haus verlassen, um unseren Termin wenigstens noch ansatzweise wahrzunehmen – hatten Saskia und ich uns zumindest wieder so weit vertragen, dass die Medizin letztendlich doch in ihrem Magen landete – nicht ohne dass Conni und Kater Mau und eine Blume (alle auf ihrer Bettdecke) etwas abbekamen.

Ich hatte schon überlegt, dass wir wohl, wenn sie schläft, ihren Schluckreflex ausprobieren würden müssen. Trinken klappt ja auch im Halbschlaf. (Nicht, dass wir das oft tun – aber Hausmittelchen gegen starken Husten werden bei uns manchmal auch in der Nacht verabreicht.)

Ganz ehrlich: Auf dieses Ritual kann ich verzichten. Da habe ich auf Dauer weder die Nerven, noch die Zeit ‚für.

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2 Antworten zu Verzichtbares Ritual

  1. Elisabeth schreibt:

    Das hört sich nach neuem Problem an! Oder Ihr schafft es nochmal das wieder zu beenden. Das ist dann aber wahrscheinlich Zufall. Beim Sohn einer Bekannten hat sich das Verweigern so gesteigert, dass der Bub im Krankenhaus lag. Da hat niemand Nerven und Zeit dafür … einfach doof sowas!

  2. Pingback: Kichererbse beim Abendessen | Graugrüngelb

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