Ständiges Knaupeln

Ebenfalls aus der Kategorie „Früher™ war alles … anders!“:

Wenn ich abends todmüde war, also praktisch jeden der vergangenen gefühlt 3650 Abende, dann habe ich Saskia ins Bett gebracht, und manchmal ergab es sich, dass ich, mit ihr im Arm, einschlief. Manchmal noch während des Schlafliedes – es ist ein komisches Gefühl, aufzuwachen und noch genügend geistige Präsenz zu haben,  um zu wissen, dass man eigentlich gerade das Schlaflied singt, aber nicht mehr zu wissen, wo man zuletzt war -, spätestens aber danach, wenn es ruhig und friedlich wurde.

Ruhig und Friedlich? Das war einmal.

Heute hippelt Saskia herum. Wenn sie schon ruhig liegt, dann sind es mindestens die Hände, mit denen sie die ganze Zeit herumknaupelt. (Nein, ich lasse mich nicht von der Tatsache verwirren, dass meine Rechtschreibprüfung dieses Wort nicht kennt!) Und zwar wirklich ständig. Ein bisschen Gebrabbel ist auch gern dabei, aber das Aufreibendste für das eigene Nervenkostüm ist, dass ständig irgendein Teil von Saskias Körper in Bewegung ist. Wer soll dabei schlafen? Ich nicht.

Das mit dem An-den-Fingern-Herum-Spielen gilt übrigens nicht nur für diese Situation, das gilt für den gesamten Tag. Wo auch immer Saskia geht und steht, wenn sie nicht gerade irgend etwas anderes in der Hand hat, dann ist mit nahezu einhundertprozentiger Sicherheit die linke Hand damit beschäftigt, einen Finger oder Fingernagel der rechten Hand zu malträtieren. Oder andersherum? Egal.

Das Ganze wirklich in jeder Situation, wo sie auch geht und steht – und das meine ich wörtlich! Mein Gott, wie diese permanente Unruhe im Raum einem auf die Nerven gehen kann! 😕

Die beste aller Ehefrauen, die ja immer sehr belesen bei derartigen Dingen ist, grub vor einer Weile das Rett-Syndrom aus, von dem in der Tat ein paar der Symptome vertraut klingen, und heute erst die psychomotorischen Anfälle (dito). So etwas will ich immer gar nicht wissen …

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7 Antworten zu Ständiges Knaupeln

  1. Muschelsucher schreibt:

    Google niemals Diagnosen – das Retthändewaschen ist eine ganz bestimmte Bewegung, die nicht mit Deiner Bescheibung übereinpasst.

    Genieße die gute Entwicklung 😉 Mehr motorische Ruhe hat bei uns eine Gewichtsdecke gebracht, weil J. sonst wegen seiner Bewegungen kaum zur Ruhe kam.

    Liebe Grüße

    • Graugrüngelb schreibt:

      Zeitweise sah es schon sehr rett-ähnlich aus, dazu muss ich nicht googlen 😉
      Inzwischen ist es eben knibbeln, knaupeln oder wie auch immer man es bezeichnen will, sieht eindeutig anders aus als früher, aber wirkt irgendwie auch ziemlich zwanghaft.

      Wenn ich auf der oben verlinkten Seite zu den psychomotorischen Anfällen u.a. lese: „schmatzen, nesteln, umherlaufen, für andere unverständliche Worte sprechen oder sich wiederholende verständliche Worte oder Sätze, plötzliche Erregungszustände oder Wutausbrüche ohne äußeren Anlaß“ – dann finde ich Saskia da ganz gut wieder. Die Frage ist, ob es wirklich eine Art Anfall ist oder allgemeine Unruhe oder Nebenwirkungen.

    • Mach‘ ich doch nicht – bei mir fällt sowas wirklich unter „will ich nicht wissen“.

      Allerdings nimmt es wirklich zum Teil Ausmaße an – wie gesagt, da passen mehrere Dinge. Auch etliche, die mich über einen Artikel mit dem Titel „Psychische Störung“ haben nachdenken lassen … 😕

      Viele Grüße
      ‚Locke‘

  2. Hesting schreibt:

    Ich bin dann mal wieder froh, daß ich nicht weiß, ob oder wo meine Eltern noch Unterlagen aus den Psychiatriegeschichten meiner Kindheit haben. Auf „Befehl“ zu einer bestimmten Uhrzeit oder bis zu einer bestimmten Uhrzeit schlafen konnte ich nie. Dauerhaft in Erinnerung bleiben wird mir der eine Ferienlager-Abend, an dem mir eine Erzieherin vorwarf, ich sei innerhalb einer halben Stunde nach dem Licht-Aus-Machen 30 Mal pullern gegangen – in meiner Zeitempfindung war’s eher ne komplette Stunde (oder mehr) und vielleicht 5-6 Mal.
    Ich kann auch nicht sagen, ob das schon immer so problematisch war mit dem Einschlafen, aber es gab auch vor der Ferienlagerzeit (also vielleicht vor dem 7. Lebensjahr) schon die Methode, mich getrennt von meiner Schwester einschlafen zu lassen – im schlafenden Zustand wurde ich dann hinüber ins Kinderzimmer getragen oder geführt. Als ich dann lesen konnte, habe ich heimlich die Bücher und Hefte gelesen, die bei den Eltern auf dem Nachttisch lagen; eine Zeitlang war’s ein Heft über Lungenkrankheiten (aufgrund der Bronchitis meines Vaters) und so hab ich dann gelernt, daß es Lungenbläschen gibt. 😉
    Meine Hände sind auch fast immer in Bewegung, meine Lippe ist eine Dauerbaustelle (früher waren’s die Fingerinneseiten), und ja, ich finde meine innere Unruhe auch oft hinderlich, bei Methylphenidat bleiben wollte ich trotzdem nicht …

    Vielleicht kommt Saskia einfach mehr aus sich heraus.

  3. Pingback: Nebenwirkungen, Hummeln im Hintern oder doch Anfälle? | Graugrüngelb

  4. ganz einfach schreibt:

    klingt nach adhs

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