Stillschweigende Vereinbarung

„Nein“ ist immer noch Saskias Lieblingswort. Egal, worum es geht – „nein“ ist die Standardantwort (falls man denn eine bekommt). Schon irgendwie witzig, denn früher hatte ich oft das Gefühl, dass Saskia, wenn sie glaubt, dass eine Reaktion von ihr erwartet wird, sicherheitshalber mit „Ja“ antwortet – weil die Erfahrung sie gelehrt hatte, dass die Gegenseite dann zufrieden ist. Heute scheint ihr unsere Zufriedenheit nicht mehr ganz so wichtig zu sein 🙂 – heute gibt es, wie gesagt, immer erst mal ein „Nein“.

Allerdings ist es deutlich entspannter als in den Anfangstagen ihrer Guten Zeiten™. Zum einen liegt es daran, dass Saskia selber das weniger … explosiv und zornig und bockig vorbringt. Auch aus ihrer Sicht scheint es inzwischen oft mehr ein Ritual, als wirkliche Ablehnung zu sein. Und das wiederum bedeutet, dass ich weiß, dass wir trotzdem zu einer gemeinsamen Meinung (nämlich meiner) kommen werden.

Gestern war wieder ein recht typischer Fall: Saskia spielte draußen im Garten, ich erzählte ihr, dass ich mit ihr ins Haus ‚rein gehen wollte. Sie sagte „Nein“, schüttelte den Kopf, und spielte weiter. Das machten wir ein paar Mal, alles sehr friedlich. Irgendwann ging sie dazu über, mich einfach zu ignorieren – ich war nicht einmal mehr des „Neins“ würdig. Und als ich dann vom Reden zu Taten überging – ich stellte einfach ihr „Spielzeug“ (ein Eimer mit Wasser) 10 Zentimeter zur Seite -, schnappte sie sich ihr auf dem Gartentisch liegendes Kuscheltier, erzählte, dass das „mit“ müsse, und folgte mir klaglos.

Es ist, als hätten wir eine stillschweigende Vereinbarung: Sie darf folgenlos ein bisschen widerborstig sein, letztendlich fügt sie sich dann aber doch meinem Wunsch. Und so können wir beide dem anderen gegenüber unser Gesicht wahren 😉

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3 Antworten zu Stillschweigende Vereinbarung

  1. Hesting schreibt:

    Weißt Du, etwa in dem Alter war ich auch, als ich auf Aussagen meiner Eltern „Wir gehen gleich“ (… nach Hause, nachdem wir einige Stunden bei den Großeltern waren), regelmäßig geantwortet habe: „ja, gleich. Nicht sofort.“ (oder so ähnlich) und einfach noch etwa vor dem Fernseher sitzen blieb. Und ich glaube, meine Nichte wird auch so …

  2. Lars schreibt:

    In den meisten Fällen ist es nicht nur ein „Nichtwollen“ sondern vielmehr ihre Erfahrung selbstständiger geworden zu sein, sich gegen anderen Willen durchzusetzen, ob es nun dem eigenen Willen gerecht wird oder nicht. Erst mal einen anderen Willen haben und schauen, wie weit ich komme. Mein Sohn war da richtig schwierig. Er diskutiert gerne und mittlerweile will er immer einen Kompromiss schließen (er ist noch nicht ganz vier und wenn das so weiter geht, wird er Anwalt – keine Frage). Anfangs hat er seine Meinung innerhalb von Sekunden so geändert, dass es immer das Gegenteil war von dem was wir wollten. Beispiel: „Ich will noch nicht ins Bett“ – „Kein Problem morgen ist frei, du kannst ruhig noch ein bisschen spielen“ – „Ich bin aber müde und möchte ins Bett“ – „Wenn Du müde bist, kannst Du gern ins Bett gehen“ – „Ich bin aber noch nicht wirklich richtig müde, ich muss erst noch ein bisschen spielen, um so müde zu sein, dass ich auch schlafen kann“ – „Mach es wie Du möchtest“ -Darauf folgte ein unverständlicher böser Blick, Hände in die Hüfte und der Blick forderte: „Sag was ich machen soll, damit ich Dir widersprechen kann“!

    Herrlich

    Ich freu mich so für euch!!!!

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