Innere Anspannung

Zwischen Haus und Garten gibt es zwei Stufen. Wenn Saskia die hinunter oder hoch ging, hat sie immer eine helfende Hand eingefordert. Selbst, als ich sie zu ermutigen versuchte, die Stufen doch mal ohne Hilfe zu gehen – egal, in welche Richtung -, hat sie das abgelehnt. Obwohl ich eigentlich der Meinung war, dass sie das inzwischen schaffen könnte. Ich hätt‘ sie ja auch gesichert …

Ungefährt zwei Wochen ist es her, dass Saskia das erste Mal meine helfende Hand bei diesen Stufen ausgeschlagen, mir was vom „Toßen Meedchen“ erzählt, und beide Stufen alleine bewältigt hat.

Auch die 5 einzelnen Stufen, die auf dem Weg zum unserem Auto-Stellplatz im Weg rumliegen – wirklich einzelnen Stufen in einigem Abstand, keine 5-stufige Treppe – geht sie inzwischen selbständig hoch oder runter, unter explizitem Ablehnen irgendwelcher Hilfe. Und unter Hinweis darauf, dass sie das „neine“ könne …

Die 15 Stufen zum Bad/Schlafzimmer geht sie seit einer ganzen Weile auch nur noch mit Sicherung durch mich, nicht aber mit Festhalten. Gut, das mit dem Abwechseln der Füße hat sie noch nicht so richtig verinnerlicht, aber bei einer sich auf 15 Stufen um 180 Grad drehenden Treppe ist das, auf Grund der Stufenform, auch schwer zu lernen.

Vorige Woche habe ich versucht, sie alleine gehen zu lassen. Ich meine: Es gibt ein Geländer, an dem kann sie sich festhalten, und meistens kann sie das ganz gut, wenn sie denn wirklich mal aus dem Gleichgewicht gerät.

Als sie ungefährt auf halber Höhe war, also ihre Füße irgendwo auf Höhe meines Kopfes, bin ich dann doch schnell hinterher – zu ungewohnt der Anblick, zu groß die Angst, denn so richtig nach vollständiger Kontrolle sieht ihre Motorik immer noch nicht aus.

Heute … heute habe ich es wieder versucht. Saskia geht die Treppe hoch, ich stehe unten. Und schaue. Und ermahne zum Festhalten. Und schaue. Immer auf dem Sprung. Und sterbe innerlich tausend Tode. Wenn sie jetzt …

Sie tat es nicht – sie stolperte nicht, sie griff nicht daneben, sie kippte nicht, sie fiel nicht.

Sie ging 15 Treppenstufen hoch. Aufrecht. Ganz alleine. Ohne fremde Sicherung.

Ich glaube, es war das erste Mal in ihrem Leben.

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8 Antworten zu Innere Anspannung

  1. FrauBrause schreibt:

    Ich lese schon lange still mit und bin schwer davon bewegt, wie sich bei euch alles entwickelt. Das ist so schön!
    Alles Gute weiterhin!

  2. C. Rosenblatt schreibt:

    Gratulation an alle 😀

  3. Sommersprosse schreibt:

    Es ist einfach nur schöööööööööön 🙂

  4. Hesting schreibt:

    Ich kann die Anspannung voll verstehen.
    Trotzdem Glückwunsch zum neuen Fortschritt, möge er nie wieder verlorengehen.

  5. HEP schreibt:

    Seit langem bin ich stille Mitleserin.
    Es bewegt und freut mich unglaublich, dass es Saskia so gut geht!
    Und in all der Zeit habe ich einen großen Respekt vor Euch gehabt, mit wieviel Liebe ihr zu Eurem Kind steht ist herzerwärmend!
    Viele Grüsse an das „groß(artige)e Mädchen und Ihre ebensolchen Eltern.

  6. Mitleserin schreibt:

    Es ist sooo schön, was man bei euch in letzter Zeit so liest – ich freu‘ mich sehr für euch und Saskia!
    LG Mitleserin

  7. Elisabeth schreibt:

    ich freu mich, und kann mich allen „Vorschreibern“ anschliessen. So soll es bleiben!
    Es muss für Dich ein riesengrosses auf und ab der Gefühle sein, für Euch beide!
    Ihr seid so tolle Eltern, es ist so schön, dass Ihr das nun alle drei erleben dürft!
    Elisabeth

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